Zum Feiertag des Restekochens: Fünf Fragen an … David Groß (Wastecooking)

Wastecooking zum »1. National Leftovers Day«

»Don’t waste it, cook it!«

– David Groß, Wastecooking –

[05|15] Lebensmittelverschwendung treibt auch in Österreich ihr Unwesen. Zeit also, für „Die Helden der Mülltonne“*? Wenn es nach dem Wastecooker David Groß geht, schon. Zusammen mit dem Mülltaucher- und Köchekollektiv Wastecooking begehrt er mit medienwirksamen Aktionen gegen die sinnlose Vergeudung von Nahrungsmitteln in Österreich und der EU auf. Zum »1. National Leftovers Day« trat Wastecooking vor dem Wiener Parlament für ein Antiwegwerf-Gesetz für Lebensmittel ein. Damit soll Lebensmittelverschwendung – so wie in Belgien und Frankreich1  auch in Österreich unter Strafe gestellt werden. Wir haben David Groß fünf Fragen dazu gestellt. 

Wastecooking wörtlich genommen: Die vom Österreichischen Künstler Andreas Strauss zu Kochstellen umgebauten Mülltonnen.
Wastecooking wörtlich genommen: Die vom Österreichischen Künstler Andreas Strauss zu Kochstellen umgebauten Mülltonnen.

1. David, wer sind eigentlich die Initiatoren von Wastecooking?

Wastecooking wurde von mir schon im Mai 2012 gegründet. Ich bin gelernter Koch und außerdem Filmemacher. Als Kollektiv bringen wir Mülltaucher und Köche zusammen und kochen mit »Müll« aus den Tonnen. Wastecooking startete mit einer konsumkritischen Kochshow, die es als Webserie auf wastecooking.com zu sehen gibt und protestiert seitdem genussvoll gegen Lebensmittelverschwendung!

2. Vor wenigen Tagen habt ihr ja vor dem Parlament in Wien den »1. National Leftovers Day« begangen – welchen Eindruck hat das auf die Parlamentarier gemacht?

Wir haben in erster Linie für die »normalen« Leute gekocht, weil es uns um Bewusstseinsbildung geht. Wir alle können ja etwas gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen. Elisabeth Hackl von der SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) und die  Kultursprecherin Gabriela Moser von den Grünen haben sich aber besonders interessiert gezeigt. Beide haben glaubhaft versichert, dass sie sich des Themas annehmen werden. Die Bürgerinitiative rund um das Antiwegwerf-Gesetz ist ja bereits im Umweltausschuss des Parlaments.
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»Genussvoll gegen Lebensmittelverschwendung protestieren«, David Groß und Tobias Judmeier (Iss mich!) vor dem Wiener Parlament am 13. Mai 2015

3. Wie viele Menschen haben sich am »Leftovers Day« beteiligt – und wie viele sogenannte Ausschüsse habt ihr verkocht?

Wir haben rund 300 Leute mit Waste-Curry verköstigt. Die Hauptzutat war Gemüse, das nicht handelskonform ist und deshalb aussortiert wurde. Neben dem aussortierten Gemüse aus dem Marchfeld (Karotten, Zwiebel, Sellerie etc.) hat es viel Brot gegeben, das von einer Wiener Bäckerei stammt und normalerweise im Müll landet. Und: Wir haben Marmeladenbrote mit Früchten geschmiert, die sonst auch keine Verwendung gefunden hätten. Außerdem waren aber auch rund zehn Aktivisten von »Zero waste jam«, »iss mich« und »foodsharing« da.

4. Nächstes Jahr um die gleiche Zeit: Gibt es da den »2. Leftovers Day« – oder hat sich das dann schon erübrigt?

Ja, nächstes Jahr planen wir den nächsten Feiertag des Restekochens. Die Premiere ist gelungen – die Verschwendung aber noch lange nicht eingedämmt und so werden wir bis zur Verabschiedung eines Antiwegwerf-Gesetzes weiterkämpfen!

5. Welche Unterschiede in puncto Lebensmittelverschwendung gibt es zwischen Österreich und Deutschland deines Erachtens?

In Deutschland ist die Situation ähnlich wie in Österreich – nur Mülltauchen wird bei euch noch strenger bestraft, nämlich als Diebstahl. Bei uns ist das nur Besitzstörung. Die einzigen Europäischen Länder, die ein Antiwegwerf-Gesetz haben sind schon seit längerem Wallonien und seit einigen Tagen auch Frankreich. Dort ist das Wegwerfen von Lebensmitteln für Supermärkte verboten. Die »Reste« müssen an karitative Organisationen gespendet werden. Aus unserer Sicht ist das natürlich der richtige Ansatz. Food is culture, don’t waste it, cook it!

 

Wir danken David Groß für die Antworten.

Zur Person

1Belgien und Frankreich als Vorbilder?
In Teilen Belgiens wurde schon vor einem Jahr versucht, der Lebensmittelverschwendung einen Riegel vorzuschieben: Supermärkten drohen dort hohe Strafen oder sogar die Schließung, wenn sie überschüssige Lebensmittel nicht an karitative Einrichtungen weitergeben. Eine ähnliche Initiative hat das französische Parlament Ende Mai 2015 auf den Weg gebracht: Supermärkte über 400 qm Verkaufsfläche müssen Überschüssiges spenden oder alternativ zu Tierfutter oder Kompost weiterverarbeiten lassen. Ob damit mehr als nur Zeichen gegen die Verschwendung gesetzt werden, bleibt allerdings abzuwarten. Denn: Untersuchungen zu Folge fallen in Frankreich nur knapp 5 % der vergeudeten Nahrungsmittel in eben diesen Supermärkten an.

 

©Fotos: Wastecooking
*„Die Helden der Mülltonne“:
 Tiroler Tageszeitung über Wastecooking

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

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