Mit dem Smartphone gegen Lebensmittelverschwendung:
Von der App – auf den Teller

Meldet, wenn in der näheren Umgebung Lebensmittel günstig zu haben sind: Die »FoodLoop«-App ©Foto: FoodLoop
Meldet, wenn in der näheren Umgebung Lebensmittel günstig zu haben sind: Die »FoodLoop«-App ©Foto: FoodLoop

Zur Zeit läuft noch die erste Versuchsreihe bei einer Biomarkt-Kette in Bonn. Doch vielleicht behält Christoph Müller-Dechent recht, wenn er behauptet: »In spätestens fünf Jahren machen da alle mit!« Müller-Dechent ist Ideengeber für eine App, mit der es gelingen soll, die grassierende Lebensmittelverschwendung merklich zu reduzieren. Gelingt es mit dieser Technik womöglich doch, das von der Bundesregierung gegebene Versprechen zu halten, die Menge an weggeschmissenen Lebensmitteln bis zum Jahr 2020 zu halbieren?

550.000 Tonnen* – für die Tonne
Deutschland im Jahr 2015: Tag für Tag werden unzählige Tonnen an Lebensmitteln weggeschmissen. Sei es, weil das Haltbarkeitsdatum abläuft oder kurz davor ist, überschritten zu werden oder aber weil es der vermeintliche Anspruch der Kunden oder des Einzelhandels so fordert. In Zahlen ausgedrückt, sind das unfassbare 550.000 Tonnen Lebensmittel jährlich (!), die allein in Deutschland nicht auf die Teller, sondern in die Tonne wandern*. Zwar setzen auch heute schon viele Einzelhändler Fleisch, Milchprodukte und andere leicht verderbliche Lebensmittel preislich herab. Zu selten (oder zu spät) erhalten potenzielle Käufer aber auch Kenntnis darüber. Das könnte sich mit einer App ändern, die derzeit einem Praxistest in Bonn unterzogen wird. »Food-Loop«, lautet ihr Name. Der Ideengeber Christoph Müller-Dechent erklärt das Prinzip so: »Über eine an das Warenwirtschaftssystem des Lebensmittelmarktes gekoppelte App kann ein Mitarbeiter über den Barcode zunächst Lebensmittel einlesen und rabattieren. Diese sind dann, entsprechend vergünstigt, in Echtzeit auf dem Smartphone oder Tablet der Nutzer zu sehen.« Automatisch angezeigt wird dann nicht nur, wie lange bestimmte Produkte noch erhältlich sind, sondern auch wie groß der aktuelle Warenvorrat noch ist. Einzige Voraussetzung, um diese und andere Funktionen zu nutzen: Interessierte müssen die kostenlose App auch installiert haben oder Angebote auf der dazugehörigen Webseite ausfindig machen.

Gut für den Handel – und für den Verbraucher
Ob und bis wann sich das Projekt auch in ganz Deutschland durchsetzt, bleibt für den Augenblick offen. »Das hängt nicht zuletzt von den zur Zeit laufenden Tests mit der Bonner Biomarkt-Kette ab«, räumt Müller-Dechent ein, der sich aber überzeugt zeigt, dass die wichtigsten Hürden schon jetzt genommen seien. Endverbrauchern bietet es zweifellos Vorteile, gezielt Lebensmittel abnehmen zu können, die sonst (wiederum zweifelhafte Logik) den Weg in die Tonne gefunden hätten. Die können dann nicht nur problemlos verzehrt werden, sondern sind auch wesentlich günstiger zu haben. Und: Einzelhändler profitieren ebenfalls davon, wenn schnell verderbliche Produkte verkauft werden können, um neuen Waren Platz zu schaffen. Einzig: Was machen jene, die aus Überzeugung oder aus Mangel an Möglichkeiten, auf die techniklastige Lösung verzichten wollen oder müssen? Vielleicht denkt die Kölner Crew ja auch darüber nach, wie diesen Personen der einfache Zugang zu vergünstigten Lebensmitteln erleichtert werden könnte.

Oder aber – und das ist unser Vorschlag : Die Bundesregierung verspricht jedem Interessierten den Zugang zu einem Smartphone. Ein Versprechen, das sich diesmal auch tatsächlich halten lassen können muss. An gebrauchten Geräten dürfte es ja in Anbetracht der rasanten Modellwechsel vieler Hersteller schließlich ja nicht mangeln.

 

FoodLoop
Die FoodLoop GmbH hat ihren Firmensitz in Köln und wurde im April 2014 von Christoph Müller-Dechent gegründet. Zurzeit besteht das Team aus drei festangestellten, fünf freien Mitarbeitern und zwei Business Angels. Unterstützt wird das Projekt sowohl von der Europäischen Union als auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Gründerawards. Die kostenlose App (iOS, Android und Web) soll nicht nur günstige Produkte, sondern auch Rezeptvorschläge und Ernährungstipps bieten und interagiert natürlich auch mit den sozialen Medien. Weitere Informationen sowie alle Details zum Funktionsumfang und zum derzeitigen Entwicklungsstand unter foodloop.net

 

*BIO Intelligence Service. (2010). Preparatory Study on Food Waste across EU 27. Final Report. For European Commission (DG ENV) in association with AEA and Umweltbundesamt. doi:10.2779/85947. Wer bereit ist, sich durch die knapp 200 Seiten der Studie zu arbeiten, kann sie ec.europa.eu downloaden 

 

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

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