Zu Besuch im Upcycling-Atelier Fraktali:
»Verwandeln – oder vermeiden?«

Zu Besuch im Atelier Fraktali, Frankfurt/M.

RSTKLTR_Fraktali#11
Aus einer Fruchtsafttüte werde ein Portmonee

[05|15] Die Schüler, mit denen Beatrice Anlauff heute Vormittag ein Upcycling-Workshop absolvieren wird, warten schon vor der Tür. Doch die Künstlerin und Eigentümerin des Ateliers »Fraktali« in Frankfurt am Main macht sich noch schnell mit uns daran, ganz praktisch Upcycling zu betreiben: Aus einer Fruchtsafttüte werde ein Portmonee. Womit wir auch bei einer der Fragen wären, die wir zusammen im Laufe der vergangenen Stunde versucht haben zu beantworten: verwandeln oder lieber vermeiden? Aber vielleicht noch mal ganz von vorn.

Zu Besuch bei »Fraktali«
Beatrice Anlauffs Atelier wirkt mitnichten so bewegt, wie es das Leben der Künstlerin selbst ist. Die Wahlfrankfurterin hat zunächst ihre Meisterprüfung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in Bayern abgelegt, wie sie uns im Gespräch wissen lässt. Einer Reihe von Zufällen hat sie es schließlich zu verdanken, dass sie im australischen Melbourne strandet und die dortige Kunsthochschule besucht. »Ich wollte nicht nur handwerklich, sondern auch künstlerisch tätig sein – und am liebsten beides miteinander verbinden«, sagt sie. Wie das genau aussehen kann, ist allenthalben im Atelier »Fraktali« zu sehen, in dem früher eine Schreinerei untergebracht war. Hier eine Fönhaube, die zur Lampe umfunktioniert wurde; dort eine ausgediente Waschtrommel, die nun als Bistrotisch dient. Besonderes Schmuckstück ist der »Restebaum«, an dem die Besucher ihrer Workshops aufgefordert sind, nach Belieben Fund- und Reststücke anzubringen. Und das fasziniert nicht nur Anlauff – die meist jugendlichen Workshop-Teilnehmer sind ebenfalls begeistert. Ach ja, ihre Schüler: Beatrice versteht sich nicht nur als freiberufliche Upcyclerin, deren besondere Kunst auch in diversen Upcycling-Shops zu erwerben ist. Sie gibt außerdem regelmäßig Upcyclingworkshops für Jugendliche und ist auch als Fotografin aktiv.

Eine Frage der Wertschätzung
Immer wieder im Laufe unseres Besuches aber eine Frage: Verwandeln oder vermeiden? Es ist ein Leichtes, eine angeregte Diskussion mit der Künstlerin darüber zu führen, welche Grenzen Upcycling kennt und ob es nicht zuweilen auch etwas naiv in der Upcycling-Szene zugeht. Schließlich wird es doch kaum sinnvoll sein, aus jeder verbrauchten Fruchtsafttüte ein Portmonee zu basteln. Stattdessen ließe sich ja gleich auf die wiederverwendbare Orangensaft-Glasflasche oder – warum nicht? – auf die Orange selbst zurückgreifen. Doch weitergedacht: Hieße das nicht auch, gleich die Kuh im Garten zu halten, um in den Genuss von Milch zu kommen? So kommen wir wohl nicht weiter. Schon drängeln auch die heutigen Workshopteilnehmer begeistert an uns vorbei und wir schauen uns beim Hinausgehen noch ein letztes Mal im Atelier um: Neben einer Glühbirneninstallation mit nicht näher definierter Funktion entdecken wir eine aus einem alten Skier gefertigte Garderobe. Nicht weit davon entfernt ist ein Lampentelefon zu sehen, das zu den Markenzeichen der Arbeit von Beatrice Anlauff gehört, wie sie uns sagt. Unbestritten: Es bereitet einfach eine gewisse Freude, schon produzierten Dingen eine andere Bestimmung als die Müllhalde zu geben. Eine Frage der Wertschätzung ist es doch, sie umzudenken und weiter zu nutzen. Auch wenn ja nicht aus jeder Fruchtsafttüte …

(Bild)-Eindrücke von unserem Besuch bei Fraktali

 

*Anm d. Red: Begriff aus der Mathematik und der Geometrie, das komplexe mathematische und geometrische Strukturen beschreibt.
©Fotos: mgzn-rstkltr

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

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