Unfreiwillig komisch: Spam – was für ein Müll!

Illustration Abfalleimer und Textnachrichten
Als Skeuomorphismus werden unter anderem digitale Icon-Designs bezeichnet, denen ein vertrauter reeller Gegenstand zugrunde liegt. Nahe liegendes Beispiel: der bei vielen Computer-Betriebssystemen eingesetzte Papier- oder Müllkorb. In eben diese virtuelle Mülltonne sind in diesem Jahr jede Menge unerwünschte Werbemails gelandet, die auch uns aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen erreicht haben. Die ebenfalls skeuomorphistisch als Spam (eng. Plunder/Abfall) bezeichneten Nachrichten sind dabei in großen Teilen nicht nur lästig, sondern unter Umständen auch gefährlich (siehe Infokasten). Über die Werbe- und Junk-Inhalte lässt sich – vorausgesetzt man unterlässt es, sie anzuklicken – aber auch trefflich lachen. Wir haben eine kleine Auswahl besonders (unfreiwillig) humorvoller Junk-Mails zusammengestellt.
  • Da ist zum Beispiel die Nachricht von hugo375qj35langebeg*, der schon mit seinem irgendwie behelfsmäßig wirkenden Betreff unsere Aufmerksamkeit erregt: »Wenn du schon ein Smart-Mobil hast, bitte noch um dies«. Hä? Überzeugt gibt sich der Absender dann im Text nicht nur davon, dass »die Smartwatches endlich für jeden zugänglich« seien, sondern dass mit ihnen »zahlreiche Funktionen erzielt« werden könnten. Unter anderem auch die, des »Ohne Hand Telefonierens«. Ein wohl ausdrücklich zu begrüßender Vorstoß für mehr Barrierefreiheit.
  • In einer Mail, die uns kuniberttjayrb3marer (kurz und vertrauenserweckend Kunibert) zukommen lässt, ist der Absender voll des Überschwangs: »Meine Freundin war überrascht, Kratzen weg!«, denn die »Katze hat die Stoßstange gekratzt.« Ach so! Deshalb fordert er in aller letzter Konsequenz dazu auf: »Zaubere Dein Auto neu!« Es geht wohl um ein besonders rabiates Mittel, das sowohl bei Hautleiden als auch bei Autokratzern zu wirken scheint 
  • Den totalen Durchblick bekommen wir irgendwann im Laufe dieses Jahres von adm7bwc6adam. Der schreibt: »Verpasse deine Vision von den starken Scheinwerfern?« Das macht uns natürlich neugierig – was genau kann damit gemeint sein? Und lesen weiter: »Warum würdest Du riskieren, wenn Du mit diesem Ding von jetzt an immer hervorragend sehen kannst?« Ja, was ein Ding, von dem wir allerdings noch immer nicht verstanden haben, was es kann …
  • Den neuesten »Quadrocopter von 2015« bietet uns anika30ma5b6dichs an. Um uns den Kauf des knapp 150 Euro teuren Flugobjekts schmackhaft zu machen, gibt sie sich überzeugt, dass »immer mehr Drohnen vorüberhuschen über unseren Kopf«. Und: Mit dem digital gesteuerten Fluggerät »können wir die Welt von einem bisher nicht gekannten Aspekt sehen«. Das sind ja doch ganz neue Blickwinkel. Wir haben natürlich weder eine Drohne vorüberhuschen sehen noch eine solche bestellt.
  • Für saschaswkdysparmbuster ist hingegen die Zeit für den »Countdown für die gebückte Haltung« gekommen. Dafür sei die von ihm beworbene magnetische Rückenbandage ideal,  da sie »sich nahtlos unter der Kleidung duckt«. Außerdem sei ja Gesundheit kein Spielzeug, weshalb man sich mithilfe dieses Artefakts »immer gut herausziehen« könne. Wir ducken und herausziehen uns auch irgendwie bei dieser Vorstellung!
  • meike990481cjodan führt vermeintlich religiöses im Schilde (oder etwa nicht?): »Damit kannst Bußen vermeiden«, erfahren wir. Damit sind aber nicht etwa Beichtstühle oder andere liturgische Utensilien gemeint. Ein Blitzwarngerät ist es, mit mit dem man sich vor »unrechten Strafen besützen« könne. Ist ja dann doch irgendwie sogar irreführende Werbung.
  • Wir schließen ab mit jenen Gewinn versprechenden Mails, mit denen wahre Geldsegen aus heiterem Himmel fallen. Urplötzlich. Dazu zum Beispiel Mr. Chin erst heute: »Ich bin mit diesem Medium, um Sie über die Transaktion zur Abgabe von $ 21500000 (Einundzwanzig Millionen fünfhunderttausend Euro) in meiner Bank in China, Sie als Empfänger zu informieren. Es wird zu 100% sicher, dass der Finanzvorstand des verstorbenen Kunden.« Das glauben wir gern – aber: Warum nur ist der Absender mit seinem Medium? Das macht uns jetzt doch misstrauisch …   

Die oben genannten Beispiele für inhaltslose, dubiose und unfreiwillig komisch wirkende Werbemails ließen sich wohl beliebig fortsetzen. Sie zeigen aber deutlich, dass die digitale Mülltonne durchaus ihre Berechtigung hat. Obwohl auch ein leichtes Unbehagen bleibt: Gibt es da draußen womöglich Menschen, die auf diese Art von Werbung reinfallen? Wir wollen es eigentlich nicht wissen, ahnen es aber …

Nicht zum Lachen!
Wir haben uns nicht nur amüsiert, sondern in der Zwischenzeit auch mit einem hoffentlich stärkeren Spam-Filter ausgestattet. Damit möglichen Empfängern solcher dubiosen Werbemails das Lachen aber nicht vergeht, ist es sowohl wichtig, den Computer entsprechend zu schützen als auch NIEMALS Links zu betätigen, die zu wie auch immer gearteten Websites führen. Anders ist es, wenn Newsletter (sowie der von Magazin für Restkultur beispielsweise) ausdrücklich angefordert werden. Unverlangt eingehende Werbemails sind zwar nach deutschem Recht nicht erlaubt. Wie die obigen (offenkundig nicht aus „deutschen Federn“ stammenden) Beispiele zeigen, dürfte es unter Umständen schwer oder sogar unmöglich sein, die Absender zu belangen. Weitere Informationen und Tpps zum Beispiel auf: wdr.de | pc-magazin.de

* alle Mails/Namen leicht geändert/unvollständig

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2016

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