Themenabend »Geplante Obsoleszenz« in Offenbach

»Es selbst in der Hand Abend« war das Motto des Themenabends »Geplante Obsoleszenz«
»Es selbst in der Hand Abend« war das Motto des Themenabends »Geplante Obsoleszenz«
Geplante Obsoleszenz? Unser Glossar gibt Antworten darauf

OBSOLESZENZ

Unter Obsoleszenz (auch Lebensdauerbegrenzung) von Produkten wird unter anderem die (bewusste) Inkaufnahme von Qualitätsmängeln verstanden, die zu einer Begrenzung der Lebensdauer führt/führen kann. Zu unterscheiden ist aber außerdem zwischen*:

  1. Geplante Obsoleszenz: Tritt ein, wenn Hersteller die Verringerung der Qualität von Produkten bewusst in Kauf nehmen, um a) „das Optimum aus Materialeinsatz und Preis zu erzielen“ oder b) durch den Einbau bestimmter Komponenten für eine Lebensdauerbegrenzung und damit für den Neukauf von Produkten sorgen.
  2. Funktionelle Obsoleszenz: Tritt ein, wenn ein Produkt infolge technischen Fortschritts mit neuen Funktionen ausgestattet wird und damit das Vorgängerprodukt obsolet macht.
  3. Psychologische Obsoleszenz: Tritt ein, wenn sich beispielsweise Mode- und Konsumwünsche ändern und Produkte nicht mehr den allgemeinen Vorstellungen entsprechen.
  4. Designte Obsoleszenz**: Tritt ein, wenn Designmängel beispielsweise dazu führen, dass Teile gar nicht/nur umständlich ausgewechselt werden können und damit der komplette Neukauf eines Produktes erforderlich ist. Teilweise Überschneidungen mit I. möglich.

Beispiel

Siehe auch

Weiterführende Links
*Nach Wolfgang M. Heckl „Die Kultur der Reparatur“, Hanser Verlag 2013. Originalzitate in Anführungszeichen.

 

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V.l.n.r.: Stefan Schridde, Kai Kotzian und Georgios Kontos
V.l.n.r.: Stefan Schridde, Kai Kotzian und Georgios Kontos
 Magazin für Restkultur vor Ort: Themenabend »Geplante Obsoleszenz« (Offenbach, 25. September 2015) 

Passender hätte zumindest der Rahmen der Veranstaltung „Geplante Obsoleszenz“, die am vergangenen Freitag in Offenbach stattfand, wohl nicht gesteckt werden können. Schließlich handelt es sich bei „Der Wohnung“ um einen jener Orte, an denen der Zahn der Zeit und des technischen Fortschritts unnachgiebig nagt: In den Räumen der ehemaligen Dachgeschosswohnung liegen die in die Jahre gekommenen Elektroinstallationen blank und hier und da sammelt sich Wasser an der hölzernen Dachverkleidung. Ob es also an dem Veranstaltungsort lag, dass sich nur wenige Zuschauer zu der vom Werkbund Jung und des Repair Cafés Offenbach initiierten Veranstaltung einfanden?

Den Ober-„Murksator“ Stefan Schridde (Murks? Nein Danke!), der hier seine „Schridde unterwegs“-Tour abschloss, trifft wohl keine Schuld. Der redefreudige Wahlberliner, der zusammen mit Kai Kotzian (Repair Café Offenbach/Transition Town Frankfurt) und dem Ausrichter Georgios Kontos (Werkbund Jung) die knapp zweistündige Podiumsdiskussion bestritt, hat sich bislang ja nicht nur als Gründer der Plattform „Murks? Nein Danke!“, sondern auch als Referent und Autor einen Namen gemacht. Der routinierte Medienprofi nahm daher ausführlich und fachkundig zum Thema „Geplante Obsoleszenz“ und den zahlreichen Entstehungsursachen und Auswirkungen Stellung. Etwas zurückhaltender, aber ebenso beherzt, ließ sich Kotzian zum Repair Café-Projekt in Offenbach vernehmen, während der moderierende Kontos zusehends in den Hintergrund trat. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) des in Teilen richtungslos treibenden Abends gewann die Diskussion aber an Fahrt.

Die modulare Bauweise von Produkten und deren Entwicklungszyklen und Nutzungsdauer spielten bei dem Themenabend ebenso eine Rolle wie die Aspekte Kreislaufwirtschaft oder die nachhaltige Ressourcennutzung. Kritische Töne in Hinblick auf übersättigte Märkte und Wachstumszwänge schlugen nicht nur die Podiumsgäste an. Auch einige der mitdebatierenden Zuschauer ließen anhand diverser Praxisbeispiele eine gewisse Wachstumsskepsis und -müdigkeit erkennen. Anders aber als Schridde es vielleicht von ähnlichen Veranstaltungen gewohnt sein mag, musste er in Offenbach auch einige kritische Einwände aus dem Publikum parieren und vehementen Widerspruch erdulden. Deutlich wurde in jedem Fall, dass es sich bei dem als „geplante Obsoleszenz“ beschriebenen Phänomen um ein komplexes Themenfeld handelt, bei dem Wirtschaft, Politik und Verbraucher auf unterschiedliche Art interagieren. Nicht anders zu erwarten war es also, dass im Laufe der Diskussion nur diffus konturierte Lösungsansätze gezeichnet werden konnten.

Alles in allem bleibt den Veranstaltern für zukünftige Veranstaltungen zu wünschen, dass sie ähnlich hochkarätige Disputanten – aber auch eine größere Zuschauerschaft – in die Mainstadt locken. Der gesetzte Rahmen und die Themen stimmen in jedem Fall zuversichtlich.

Themenabend: Geplante Obsoleszenz
Podiumsdiskussion in „Die Wohnung“, Friedrichsring 45
Offenbach am Main, 25. September 2015 (19:00 bis 21:00 Uhr)Nächster Themenabend:
Cradle to Cradle
09. Oktober 2015 (19:00 Uhr).
Anmeldung unter: dialog(at)wb-jung.de
Frühere Beiträge „Geplante Obsoleszenz“ auf Magazin für Restkultur

Weiterführende Informationen:

@Foto: mgzn rstkltr

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015
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Unter Obsoleszenz (auch Lebensdauerbegrenzung) von Produkten wird unter anderem die (bewusste) Inkaufnahme von Qualitätsmängeln verstanden, die zu einer Begrenzung der Lebensdauer führt/führen kann. Zu unterscheiden ist aber außerdem zwischen*:

  1. Geplante Obsoleszenz: Tritt ein, wenn Hersteller die Verringerung der Qualität von Produkten bewusst in Kauf nehmen, um a) „das Optimum aus Materialeinsatz und Preis zu erzielen“ oder b) durch den Einbau bestimmter Komponenten für eine Lebensdauerbegrenzung und damit für den Neukauf von Produkten sorgen.
  2. Funktionelle Obsoleszenz: Tritt ein, wenn ein Produkt infolge technischen Fortschritts mit neuen Funktionen ausgestattet wird und damit das Vorgängerprodukt obsolet macht.
  3. Psychologische Obsoleszenz: Tritt ein, wenn sich beispielsweise Mode- und Konsumwünsche ändern und Produkte nicht mehr den allgemeinen Vorstellungen entsprechen.
  4. Designte Obsoleszenz**: Tritt ein, wenn Designmängel beispielsweise dazu führen, dass Teile gar nicht/nur umständlich ausgewechselt werden können und damit der komplette Neukauf eines Produktes erforderlich ist. Teilweise Überschneidungen mit I. möglich.

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*Nach Wolfgang M. Heckl „Die Kultur der Reparatur“, Hanser Verlag 2013. Originalzitate in Anführungszeichen.

 

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