Restsatirisch: »Störung der Totenruhe – wenn ich das schon höre.«

Satirischer Gastbeitrag

Friedhof
»Wir alle wollen doch unseren Nachkommen eine nachhaltig bessere Welt hinterlassen, oder?« Foto: David Mark

Gastbeiträge auf Magazin für Restkultur
Auf Magazin für Restkultur lassen wir gelegentlich Autoren, Experten und andere Akteure zu Wort kommen – und zwar immer dann, wenn uns interessante Ideen begegnen, Veranstaltungsreports erreichen oder wenn wir glauben, dass sich mit „fremden Federn“ ungewohnte Winkel ausleuchten und neue Perspektiven einnehmen lassen. Restvermeidungs- oder -verwertungsideen können darin ebenso eine Rolle spielen wie vielversprechende Alternativen oder aber auch Ideen und Konzepte, die im weiteren oder engeren Sinne »Reste« in den Mittelpunkt stellen. Die von den Autoren geäußerten Ansichten müssen dabei weder im Ganzen noch in Teilen mit der Meinung der Betreiber von Magazin für Restkultur übereinstimmen. Alle Rechte der Gastbeiträge liegen bei den Autoren. Weitere Informationen unter Mitmachen und Copyright/Irrtuemer.

Satirischer Gastbeitrag: Stefan Köstlinger 
Friedhöfe und Massengräber als Erfolgsrezepte für kommende Generationen

Der Gedanke an Recycling, nachhaltiges Leben und einem besseren Leben für seine Nachkommen bewog Reinhard Hartlinger dazu, sich „einem neuen, aufregenden Projekt zu widmen“. Er begann vor rund zehn Jahren mit dem Kauf einzelner Friedhöfe. Seit 2012 kauft er sich auch in Massengräber ein – und das alles, damit er seinen Kindern und Kindeskindern eine bessere Welt hinterlassen kann.

Umweltbewusster erwirbt Friedhöfe
„Ich mag die Umwelt, ich bin direkt von diesen Umweltgedanken beseelt. Wir alle wollen doch unseren Nachkommen eine nachhaltig bessere Welt hinterlassen, oder? Genau. Und deshalb habe ich mein Projekt ‚Sterben für die Ewigkeit‘ begonnen“, so Hartlinger. 2005 begann er damit, sich gräberweise in kleine, kommunale Friedhöfe einzukaufen, nur zwei Jahre später besaß er bereits vier komplette Totenacker. Nun, nach dem Erwerb seines fünften Massengrabes, „erkennen selbst meine anfänglichen Kritiker meinen zukunftsträchtigen Vorsatz“, freut sich Hartlinger.

Nachhaltigkeit für die Nachkommen
Als umweltbewusster Mensch fahre er absichtlich ein Auto, das rund 25 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauche. Das sei für ihn die nachhaltigste Form von Recycling, „da man so das alte, vergammelte und abgestandene Rohöl im Boden in das Benzin hineinrecycelt. Aber nachhaltig ist nur der, der nun auch neue Lagerstätten schafft. Leider sterben Tiere nicht mehr so zentriert wie die Saurier, aber wir Menschen schon“, erklärt er. Daher kaufte und kaufe er Friedhöfe und Massengräber, „weil die sind in 2 oder 3 Millionen Jahren bares Geld wert. Dann kann sich, nun ja, vielleicht nicht direkt mein Sohn, aber seine Nachkommen können davon etwas Schönes kaufen“.

Kritik und ein Urteil gegen ihn
Mittlerweile hat es Reinhard Hartlinger in Europa aber richtig schwer, an neue Quellen ranzukommen. „Störung der Totenruhe – wenn ich das schon höre. Wenn es die Dinosaurier nicht stört, dann die Menschen in 3 Millionen Jahren doch auch nicht. Aber die Richter sagten mir, ich dürfe zwar die schon in meinem Besitz befindlichen behalten, mir aber in der EU keine neuen mehr kaufen“, sagt Hartlinger, der im selben Atemzug solche Leute als Umweltsünder beschimpft.

Zwei Fliegen mit einer Klatsche
Aber, aus dem Urteil der EU-Richter machte der gelernte Bogenschweißer das Beste. „Wissen sie, die kleinen kommunalen Friedhöfe reichen, ressourcentechnisch, ohnehin nur für das Betreiben einer Ölheizung für ein Einfamilienhaus. Für Autos braucht es eben ein Massengrab. Verstehen sie mich nicht falsch, ich will ja nicht gleich einen Völkermord. Aber eines muss ich sagen, seit der IS, also dieser Islamische Staat, da unten ist, seitdem mache ich mit diesen Menschen hervorragende Geschäfte. Aber ein bisschen blöd sind die schon. Da kaufe ich ihnen ihre Massengräber ab, und die fragen sich nicht einmal, warum“, grinst Hartlinger.

 

Stefan Köstlinger über Stefan Köstlinger
Das Satirewunderkind begann bereits im Alter von 34 Jahren mit dem Schreiben eigener Texte, die er selbst als „besser als alles, was Nietzsche je versucht hat“ beschreibt. Nach einer abgebrochenen Schule, einer Lehrlingsausbildung in Deutschland, dem Zurückziehen ins Privatleben (leider mehrmals gezwungenermaßen), einem Studium und mehreren Jobs als Journalist, arbeitet das einseitige Schenie nun unter einem Pseudonym, um nicht mit seinem Onkel verwechselt zu werden. Ach ja, er kennt auch jemanden, der wirklich berühmt ist – aber er verriet diesen Namen nicht einmal während seines Urlaubes auf Kuba. stefankoestlinger.wordpress.com

 

@Alle Rechte an dem Text „Friedhöfe und Massengräber als Erfolgsrezepte für kommende Generationen“  Stefan Köstlinger  ©2015 .  Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um einen Satiretext handelt.  (Originaltext auf  stefankoestlinger.wordpress.com und auf  fischundfleisch.com erschienen) 

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