Steampunk: »Die Zukunft einer Vergangenheit, die es so nicht gab«

Internet-Fundstücke

Immer gut gewappnet – wer weiß, wofür um 1850 diese Sehhilfe gut sein wird? ©Foto/Design: Eusebius van den Boom
Vorweg: dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch, das Phänomen »Steampunk« in allen seinen unzähligen Facetten auszuleuchten oder vollumfänglich zu beschreiben. Als zu vielschichtig und -seitig stellt sich diese Welt voller sonderbarer Geräte und wundersamer Verkleidungen dar. Wenn wir überdies einen bestimmten Akteur in den Mittelpunkt stellen, dann nicht, um einen speziellen Steampunker zu bevorzugen. Die Arbeiten des Eusebius van den Boom (dessen Bilder und Schöpfungen diesen Beitrag zieren) sowie die ausführlichen Erläuterungen und Informationen auf steampunk-archiv.de scheinen uns aber einen guten Einstieg zu bieten, um in eine Welt zu tauchen voller bizarrer Artefakte, abenteuerlicher Phantasiegestalten und: ganz besonders liebevoller Resteverwertung.

Steampunk?
Eusebius van den Boom (dessen bürgerlicher Name ungleich unspektakulärer klingt) beschreibt Steampunk so: »Steampunk, das ist die Zukunft einer Vergangenheit, die es in dieser Form nicht gab. Hier wimmelt es von verrückten, mehr oder weniger sinnvollen Maschinen, künstlichen Gliedmaßen, mechanischen Tieren, Ætherwaffen und Zeitreise-Utensilien.« Im wortwörtlichen Sinne eingekleidet wird diese Phantasiewelt vielfach in der opulenten und ornamentalen Optik des viktorianischen Zeitalters um 1850. Hier erwachen ganz im Sinne des Retrofuturismus Maschinen und Geräte aus den Anfängen der Industrialisierung zum Leben, die es so nie gegeben hat – aber vielleicht hätte geben können. Allen Objekten gemein ist eine besondere Liebe zu filigranen Details sowie zu einer gewissen, zumeist fiktiven, »Zweckmäßigkeit«. Van den Boom beispielsweise versteht sich auf die Herstellung funktionsfähiger Radiogeräte, kunstvoll verzierter Botanisiertrommeln, hochwertig gestalteter Datenstäbchen* und aufwändigen Schmuckarbeiten. Den phantasievollen Beschreibungen und Geschichten, die uns auf steampunk-archiv.de begegnen, entnehmen wir nicht nur detaillierte Angaben zum Funktionsspektrum der abgebildeten Gerätschaften.

Kreative Resteverwertung
Darüber hinaus gibt der Steampunker und Autor vielfach Hinweise dazu, aus welchen Alltagsgegenständen seine Artefakte gefertigt worden sind. Ein ausrangierter Fernglasköcher wird bei ihm kurzerhand zur viktorianischen Medizintasche, während eine in die Jahre gekommene Quarzuhr zum retrofuturistischen Zeitmesser avanciert.  Im Steampunk-Universum geht es  bisweilen auch kriegerisch zu. Martialisch auftretende Gestalten in Phantasieuniformen tauchen daher ebenso auf wie der eine oder andere kriegerisch wirkende Artefakt. Die  Ætherbombe von van den Boom beispielsweise (für deren Bau eine ausgediente Gießkanne zum Einsatz kommt) beherbergt in Wirklichkeit eine … Eieruhr! Trotzdem sei die Steampunkgemeinde, so der Duisburger »Dampf-Punk«, vermutlich eine der friedlichsten und tolerantesten. Wer den Beleg dafür sowie weitere Hintergründe kennenlernen will, wird auf seiner Seite wahrscheinlich  fündig werden. Darüber hinaus finden sich dort aber auch diverse Bauanleitungen und -beschreibungen, die das Konstruktionsprinzip einiger Unikate erläutern. Man kann ja nie wissen, auf welcher Expedition im Jahr 1850 die Messinstrumente und Accessoires von Nutzen sein könnten …

*USB-Sticks

Weiterführende Links (Auswahl)

dampfkraftlabor.de
steampunker.de
steampunk-chroniken.de

 

©Fotos: mit freundlicher Genehmigung Eusebius van den Boom

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2018

 

 

 

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