Cradle to Cradle: Im Gespräch mit Michael Braungart

Ein Wettlauf mit der Zeit

Die Theorie hinter Cradle to Cradle leuchtet ein – gibt es aber bestimmte Paradebeispiele für Produkte, die jeder von uns kennt und die nach C2C erstellt worden sind oder führt C2C ein Nischendasein? Mehr als 1.000 Produkte seien bereits zu finden, erläutert Braungart: „Nehmen wir herkömmliches Toilettenpapier. Wenn wir es analysieren, stellen wir fest, dass es nie dafür gedacht wurde, dass es in biologische Systeme zurückgeht. Mit einem Kilo Toilettenpapier aus einem Flugzeug verseuchen wir ca. 1 Million Liter Wasser über die zulässigen Trinkwassergrenzwerte. Weil die Zutaten und optischen Aufheller, die darin enthalten sind, nie für Recycling gemacht worden sind. Anders verhält es sich mit einem Cradle to Cradle-Toilettenpapier, das ein Unternehmen aus Kleve nach den EPEA**-Richtlinien hergestellt hat. Die Inhalts- und Zusatzstoffe sind so gewählt, dass das Papier nach seinem Gebrauch wieder zum Nährstoff wird“.

Kennt C2C auch Grenzen? Für Michael Braungart stellt sich diese Frage eher als ein Wettlauf gegen die Zeit und die gesellschaftliche Entwicklung. Deutlich werde dies am Beispiel kompostierbarer Lederschuhe: „Wir haben vor 18 Jahren mit der Entwicklung kompostierbaren Leders angefangen. Leider sind mittlerweile alle Lederfachschulen und praktisch alle großen Gerbereien in Deutschland geschlossen worden, weshalb es jetzt keine Unternehmen mehr gibt, mit denen wir unsere Ideen umsetzten könnten“.  Der Lauf gegen die Zeit drücke sich aber auch dadurch aus, dass die Zerstörung der Erde so schnell vorangehe. Und auch dadurch, „dass wir unsere eigenen europäischen Produkte immer mehr durch Pseudo-Recycling kontaminieren. So werden Möbel-Kataloge in Malaysia gedruckt, obwohl dort keinerlei Umweltstandards herrschen, bloß weil sie dort 40 % günstiger sind. Das so später recycelte Papier verseucht dann wiederum unsere Pizzakartons und landet in unserer Nahrung.“ Apropos Nahrung – ist denn C2C auch auf die Lebensmittelherstellung übertragbar? „C2C ist in jedem Fall auf die Lebensmittelindustrie anwendbar. Hierfür eignet sich insbesondere die Gartenbaulandwirtschaft, die  so gleichzeitig auch einen Bezug zum Essen schafft. Ein wichtiger Aspekt ist es aber auch, völlig neue Lebensmittel wie Algen, Bakterien und Pilze zu berücksichtigen, die viel bessere Proteine als Rindfleisch liefern. Denn dann können auch alle Menschen ernährt werden“.

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