Restkultur-Projekt des Monats [Oktober 2015]: »Leben ohne Kühlschrank«

©Foto: Thomas Kohler
RSTKLTR_Projekt_desMonats_II Restkultur-Projekt des Monats 
Zahlreiche Engagierte haben den mühsamen Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft aufgenommen oder befassen sich ganz einfach mit dem »Rest«. Wir haben uns für den Zeitraum von 15 Monaten regelmäßig auf die Suche nach ihnen begeben. Auf welche Schwierigkeiten stoßen die Initiatoren, welche Erfolge können erzielt werden und welche Erfahrungen machen sie dabei? Einen Monat lang haben wir Antworten und Konzepte entsprechender Akteure für sich sprechen und als »Restkultur-Projekt des Monats« in den Vordergrund treten lassen.
Alle bisherigen Restkultur-Projekte des Monats im Überblick:

 #13 | Restkultur-Projekt des Monats, Oktober 2015:  

»Leben ohne Kühlschrank«

Betreiber/in: Christian P., Düsseldorf
Typ: Projekt
Seit: 2014
Schwerpunkt(e): Konsumverzicht

Selbstbeschreibung: 

Ich kann mich gut daran erinnern, als ich vom Berliner Gerrit von Jorck  hörte, der monatlich von weniger als 500 Euro lebt und pro Woche nur zehn Stunden arbeitet. Er hatte gleich meine Sympathie, weil er dem Karrierewahn absagte. Aber: Von Jorck lebt in einer WG, in der auf einen Kühlschrank verzichtet wird, weshalb er sie in meinen Augen „nicht mehr alle hatte“. Zu dieser Zeit beschäftigte ich mich mit Nachhaltigkeit und kam nach längerer Überlegung zu dem Schluss, dass er in diesem Punkt (auf einen Kühlschrank zu verzichten) wohl nachhaltiger als ich war. Und dann fragte ich mich: „Was hindert mich daran, nicht vielleicht auch ohne Kühlschrank auszukommen? Könnte ich damit leben, wenn mein Kühlschrank bei mir gleich um die Ecke wäre und ich nicht rund um die Uhr, sondern nur von sieben bis 22 Uhr Zugriff darauf hätte?“ Diesen Kühlschrank nennt man Supermarkt. Wer bitteschön besitzt einen solchen Kühlschrank, der nicht leer wird und so ein so großes und dabei günstiges Sortiment hat?

Damit begann ich das „ohne Kühlschrank zu leben“-Experiment. Ich mache das seit November 2014 und nur einmal habe ich den Kühlschrank wieder angeschaltet. Das war, als ich zu Sylvester 2015 bei mir eingeladen und zu viel Essen übrig hatte. Da war mir die Konservierung der Lebensmittel wichtiger als eine Ideologie. An Stromkosten spare ich kaum, da moderne Kühlschränke, wenn man sie selten öffnet, auch wenig Strom verbrauchen. Aber mein Kaufverhalten hat sich geändert. Ich kaufe weniger ein, dafür aber frischer, denn ich kann nicht alles kühl lagern. Ich esse mehr Obst und mehr Gemüse! Ist das ein Verlust? Für mich ist das ein Gewinn! Ich koche frischer! Ich erzeuge auch weniger Müll, denn viele Sachen, die man kühlen muss, sind in Plastik verpackt (Gemüse, Obst, Nudeln nicht). Wer sich dies nicht vorstellen kann, sollte bedenken, dass man das Leben den Umständen anpassen muss und nicht umgekehrt. Ich kaufe mir halt keine Familienpackung Eis und auch keinen großen Kopfsalat. Auch habe ich ein bisschen abgenommen, das aber nur, weil ich weniger Süßkram kaufe.

Wichtig ist mir zu erwähnen, dass ich mir sehr bewusst bin, dass wir die Welt nicht retten, wenn wir auf Kühlschränke verzichten. Es wäre auch besser für die Umwelt, wenn ich auf mein Auto verzichtete. Ich möchte auch niemanden bekehren, denn ich sehe dies als Experiment und schließe nicht aus, irgendwann wieder einen Kühlschrank zu nutzen. Für die Erfindung des Kühlschranks bin ich sogar sehr dankbar, denn sie finden ihren Nutzen z.B. in Krankenhäusern und mit Kühlung werden Produkte hergestellt, transportiert und für meinen Einkauf frisch gehalten. Mit meinem Experiment will ich nur die Frage aufwerfen, ob wir alle einen Kühlschrank benötigen. Mittlerweile finde ich es in Anbetracht der ganzen Supermärkte um uns herum sogar absurd, einen Kühlschrank zu besitzen.

Wir bedanken uns bei Christian für die Teilnahme.

Du betreibst auch ein interessantes Projekt oder kennst eine interessante Seite? Dann lass uns das einfach unter Mitmachen wissen! 

©Text:Christian P.

 

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