Restkultur-Projekt des Monats [Juli 2015]: »minimalismusblog«

RSTKLTR_Projekt_desMonats_II Restkultur-Projekt des Monats 
Zahlreiche Engagierte haben den mühsamen Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft aufgenommen oder befassen sich ganz einfach mit dem »Rest«. Wir haben uns für den Zeitraum von 15 Monaten regelmäßig auf die Suche nach ihnen begeben. Auf welche Schwierigkeiten stoßen die Initiatoren, welche Erfolge können erzielt werden und welche Erfahrungen machen sie dabei? Einen Monat lang haben wir Antworten und Konzepte entsprechender Akteure für sich sprechen und als »Restkultur-Projekt des Monats« in den Vordergrund treten lassen.
Alle bisherigen Restkultur-Projekte des Monats im Überblick:

 #11 | Restkultur-Projekt des Monats, Juli 2015:  

»minimalismusblog«

Betreiber/in: Isabell Scheuplein, (Offenbach am Main)
Typ: Blog »minimalismusblog«
Seit: Anfang 2013
Schwerpunkt(e): Minimalismus, Konsumreduktion, Selbstbestimmung

Selbstbeschreibung: 

Tonnenweise Plastikmüll in den Meeren, über TextilarbeiterInnen einstürzende Fabrikhallen, millionenfach geschredderte Hühnerküken. Was kann man da als Einzelner schon ausrichten?

So oder so ähnlich habe ich schon viele Leute stöhnen hören, die frustriert sind, weil sie denken, sie hätten keine Wahl. Auch ich kenne solche Ohmmachtsgefühle. Tatsächlich gibt es aber einiges, was wir tun können: Wir können weniger kaufen und uns vor Überfluss hüten; wir können uns anders ernähren und damit tagtäglich Leid verhindern; wir können uns von Unnötigem trennen und uns dadurch Platz und Zeit zum Leben schaffen.

»Was kann jeder einzelne schon ausrichten?« Isabells erster plastikfreier Einkauf
»Was kann jeder einzelne schon ausrichten?« Isabells erster plastikfreier Einkauf

Mir ist ein Licht bei einem Vortrag des Sozialpsychologen Harald Welzer („Selbst denken“)  aufgegangen, bei dem es um die damals neu aufgekommenen Kaffeemaschinen ging, die nur mit Metall- oder Plastikkapseln funktionieren. Welzer fragte, was das eigentlich für ein Irrwitz sei, dass sich so viele Leute solche Maschinen kauften, obwohl sie zuhause ja schon welche hätten, nur dass die den Kaffee aus losem Pulver brühten?

Ich fühlte mich ertappt, hatte ich doch auch überlegt, mir ein solches Wunderwerk der Technik zuzulegen. Was ich dann nicht getan habe. Und damit nicht genug: Noch auf dem Heimweg entwarf ich die drei goldene Regeln, die mich seitdem an vielen, vielen unnützen Käufen gehindert und mir somit Unmengen an Geld und Zeit gespart haben. Sie schalten die Wirkung der Werbung zuverlässig aus und lassen mich nur noch das kaufen, was ich wirklich brauche. Was übrigens erstaunlich wenig ist.

Die drei Regeln lauten:

  1. Erst beraten – dann (vielleicht) kaufen
  2. Gebrauchtes ist Trumpf
  3. Wenn neu, dann gut überlegt

Wenn ich etwas haben will, muss ich mich also erst mit einem anderen Menschen beraten, der den Auftrag hat, mich kritisch auszufragen, warum ich denn das Teil unbedingt haben muss – und ob ich mir sicher bin, dass es zuhause nicht schon irgendwo vorhanden ist. An dieser Stufe scheitern bereits sehr viele Einkaufsvorhaben, denn oft haben mir irgendwelche Sonderangebote den Mund wässrig gemacht, obwohl mir die Dinge tatsächlich gar nicht gefehlt haben. Ist die Hürde dennoch überwunden, geht es zur nächsten: Ich muss versuchen, das gewünschte Ding gebraucht zu bekommen. Und nur wenn das nicht geht, gibt es einen Neukauf. Auch dabei versuche ich, eine möglichst gute Entscheidung zu treffen – auf biologischen Anbau und/oder Haltbarkeit zu achten etwa.

»Was brauche ich wirklich?« Isabell mistet aus
»Was brauche ich wirklich?« Isabell mistet aus

Seit fast vier Jahren trage ich fast nur noch Secondhand-Klamotten, kaufe so gut wie keine Bücher mehr (ich leihe sie mir lieber und lese erstaunlicherweise mehr als zuvor), bin abstinent was Deko-Artikel angeht und investiere das gesparte Geld zum Beispiel mit Lust in leckere (inzwischen vegane) Lebensmittel. Gratis dazu gab es die Erkenntnis, dass ich eben doch ganz oft die Wahl habe, wie ich mein Leben gestalte. Und das es sich sehr lohnt, sich selbst ernstzunehmen.

Dank anderer Blogs habe ich auch Anregungen gefunden, wie sich gegen ständig überquellende Mailpostfächer, bedrückende Stapel ungelesener Zeitschriften und volle Stauräume in der Wohnung etwas unternehmen lässt. Und habe staunend erlebt, wie dadurch nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Zeit entstanden ist, so dass ich mich nun mehr und mehr den Dingen zuwenden kann, die mir wirklich wichtig sind.

Hier ist der Link zu den Drei Goldenen Regeln und damit zugleich zu meinem Blog: minimalismusblog.tumblr.com

Wir bedanken uns bei Isabell Scheuplein für die Teilnahme!

Du betreibst auch ein interessantes Projekt oder kennst eine interessante Seite? Dann lass uns das einfach unter Mitmachen wissen! 

©Text/Fotos: Isabell Scheuplein

 

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