Michael Schieferstein: »Die Expo hat das Thema nicht getroffen!«

Der Themenbotschafter Michael Schieferstein (Foodfighters) über die Expo 2015

©Foto: Expo Mailand

 »Die Expo hat das Thema nicht getroffen!«

– Michael Schieferstein im Gespräch mit Magazin für Restkultur –

Seit einigen Wochen gehört die Expo 2015, die mit »Feeding the Planet, Energy for Life« überschrieben war, der Vergangenheit an. Sechs Monate lang sollte das Recht aller Menschen auf gesunde und ausreichende Ernährung im Mittelpunkt der internationalen Leistungsshow stehen. Kurz vor Beginn der Veranstaltung hatten wir bereits mit dem Lebensmittelaktivisten Michael Schieferstein gesprochen, der einer der insgesamt sechs für den deutschen Expo-Beitrag berufenen Themenbotschafter war. Zusammen mit ihm werfen wir jetzt abermals einen Blick zurück und auf die Erfahrungen, die der Kopf der Mainzer Foodfighters auf der Expo gesammelt hat.

 

Feeding the planet – mit Fastfood?
»Feeding the planet« – mit Fastfood?

Die Enttäuschung ist Schieferstein anzuhören, als ich am Anfang unseres Gespräches wissen möchte, mit welchen Eindrücken er aus Mailand zurückgekehrt ist: »Es hilft doch nichts, den ersten Preis in Sachen Pavillongestaltung zu gewinnen, wenn man die sechs Themenbotschafter weitestgehend außen vor lässt.« In Wirklichkeit, so der Mainzer weiter, sei es darum gegangen, den deutschen Pavillon zu präsentieren – das Thema nachhaltige Ernährung der Menschheit sei zu stark in den Hintergrund getreten. Außerdem seien Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern auffällig unverbindlich geblieben: »Auf die Rückmail einer Staatssekretärin, mit der ich ein längeres Gespräch geführt habe, warte ich noch heute. Wahrscheinlich vergebens.«

Der engagierte Lebensmittelaktivist, der für öffentliche Kochshows bekannt ist, bei denen tonnenweise Lebensmittel-»Ausschüsse« zum Einsatz kommen, ergänzt: »Ich kann außerdem nicht verstehen, warum diverse Fastfood- und Lebensmittelgiganten so prominent auf der Expo vertreten waren – das passt doch nicht in das Konzept der Zeit. Diese Konzerne sind ja sogar eher zum Teil Schuld daran, dass wir diese Misere haben.« Bei einer weiteren Zunahme der Weltbevölkerung seien die Katastrophen außerdem vorprogrammiert, führt er aus. »10 Milliarden Menschen, das schafft ja unsere Erde überhaupt nicht – und die Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, haben die Expo-Organisatoren einfach verpasst.« Hat Schieferstein denn den Eindruck, dass auf der Expo das Thema Lebensmittelverschwendung thematisiert wurde? »Nein, das hat keine Rolle gespielt. Im Gegenteil: Die Verschwendung in den Restaurants, in denen ich zum Essen war, schreit zum Himmel. Da wurde alles mögliche weggeschmissen.«

Staatssekretärin Gleicke: »Auf die Rückmail warte ich seit viereinhalb Monaten.«
Staatssekretärin Gleicke: »Auf die Rückmail warte ich seit viereinhalb Monaten.«

Als wir kurz vor Beginn der Expo über seine bevorstehenden Aufgaben als Expo-Botschafter sprachen, gab sich Michael Schieferstein überzeugt, dass er sich »nicht einschüchtern lassen, sondern seinen Standpunkt vertreten würde«. Hat er also seinen Unmut auch entsprechenden Entscheidern gegenüber kundgetan, möchte ich wissen. »Ja, klar habe ich bei meinen Gesprächen darauf gepocht, dass wir umdenken müssen, die Böden wieder fruchtbar kriegen, die Artenvielfalt fördern und zurück zu regionalem Anbau müssen. Wie gesagt: Auf die Rückmail der Staatsekretärin, die den Bundespräsidenten vertreten hat, warte ich seit viereinhalb Monaten.« Gesprochen hat er mit ihr auch über sein Schulprojekt »Damit das alles möglich wird«, insistiert der Aktivist energisch, »müsste schon heute eine neue Generation in den Startlöchern stehen. Das geht nur in der Schule! Wir müssen die heutigen Kinder und Jugendlichen dort dazu befähigen, nachhaltig zu denken.«

Steht er denn der Expo jetzt anders gegenüber und würde er einer Teilnahme heute ohne Weiteres zustimmen? »Das weiß ich nicht«, resümiert er zum Abschluss unseres Gespräches nachdenklich. »Mit dem, was ich heute weiß, würde ich definitiv ein paar Sachen anders gemacht haben wollen. Da ist zum Beispiel der Einsatz der anderen Botschafter und mir. Niemand hört das vielleicht gerne, aber bei allem ehrenamtlichen Engagement muss sich das auch finanziell tragen.« Deshalb sei er nach wie vor auf Unterstützung angewiesen. Die Expo habe zwar seine Projekte und Ideen bekannter gemacht, ihn »aber auch tatsächlich an die Grenzen des Tragbaren gebracht.« Schieferstein fasst zusammen: »Das Thema auf der Expo war schon sehr wichtig, man müsste es eben nur anders umsetzen.«

Wir danken Michael Schieferstein für das Gespräch.

Zur Person

©Fotos: Michael Schieferstein

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

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