Kunst mit New Yorker Stadtmüll:
»Ist das Müll oder kann das weg?«

©nycgarbage.com

Ist das Müll oder kann das weg?

[06|14] Ein leeres Feuerzeug, ein Plastikdeckel oder eine entwertete U-Bahn-Fahrkarte sind in den Augen der allermeisten Menschen Gegenstände von nur geringem – nein – gar keinem Wert. Und auch für zerbrochene Glasflaschen, benutzte Eislöffel oder leere Kondomverpackungen kann sich nur selten jemand erwärmen. Für den New Yorker Justin Gignac hingegen sind diese und andere Wohlstandsreste schon seit Jahren der Stoff, aus dem seine Kunst ist: New Yorker Stadtmüll in Plexiglaswürfel. 
 Ob Reste von Barack Obamas Präsidentschaftsparty oder gewöhnlicher Alltagsmüll:
Justin Gignac erhebt sie zu Kunst


Wetten, dass man auch Müll verkaufen kann?

Auf die Idee den Müll New Yorks in stylische (und mittlerweile höchst begehrte Kunst) zu verwandeln, ist der heute 34-jährige während eines Gespräches mit einem ehemaligen Werberkollegen gekommen. Gignac behauptete, dass es nur auf die richtige Verpackung ankomme, um auch Müll verkaufen zu können. Gesagt getan: Die ersten Streifzüge durch die Straßen, Parks und Unterführungen New Yorks unternahm Gignac bereits im Jahr 2001, wo er bis heute die Inhalte für seine Plexiglaswürfel findet. Die einzelnen Fundstücke stellt er dann zu farbenfrohen Arrangements zusammen und platziert sie in die elf mal neun Zentimeter großen Cubes. Der Erfolg gibt ihm Recht: Für je 50 Dollar sind bislang um die 1000 nycgarbage-cubes in alle Welt verkauft worden. Jede Box ist ein Unikat und erhält die Unterschrift des Künstlers sowie eine entsprechende Seriennummer.

Wann ist Müll Müll?
Welchen Wert wir vermeintlich Wertlosem beimessen, hängt nicht selten von dem zeitlichen und inhaltlichen Kontext ab. Ein und derselbe Gegenstand kann (kommt es beispielsweise in Berührung mit einer in der Öffentlichkeit bekannten Person) zu einem höchst kostbaren, ja fast reliquienhaft verehrten Objekt werden. Nicht selten erlangen daher ja auch Lippenstifte, Stoffe oder Accessoires von Prominenten Höchstpreise bei Auktionen oder Liebhabermessen – die Geschichte dahinter wertet sie auf. Justin Gignac erhebt aber auch Alltagsreste in einen besonderen Rang und interessiert sich dafür, was diese vielleicht über ihre Vorbesitzer und unsere Gesellschaft zu erzählen haben könnten. Für unsere Rubrik „Reste sind für mich:“ lässt er uns wissen:

»Für mich sind die Dinge, die wir wegschmeißen, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Jeder Rest hat eine Geschichte zu erzählen und hat im Leben eines Menschen eine Rolle gespielt. Wenn ich Müll finde, denke ich oft über die Geschichten nach, die es erzählt. Egal, ob es um einen Kaffeebecher mit Lippenstiftresten oder um einen zerrissenen Parkschein geht.«

 

© Fotos: nycgarbage.com/mit freundlicher Genehmigung Justin Gignac

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

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