Hartz IV-Möbel: Mach was draus!

©Van Bo le Mentzel

Mach was draus!

Hartz IV hat nicht unbedingt das, was man ein gutes Ansehen nennen könnte. Umso erfreulicher ist es, wenn es nicht nur gelingt, mit dem ramponierten Image zu kokettieren, sondern auch eine glaubwürdige Solidarisierung mit Hartz IV-Beziehern einsetzt. Wie das geht, zeigen die ausdrücklich als Hartz IV-Möbel bekannt gewordenen Stühle, Sessel und Hocker des Architekten Van Bo Le-Mentzel, die auch aus Rest-Materialien zusammengebaut werden können.

Was es bedeutet, von staatlicher Unterstützung und daher auch mit wenig Geld zu leben, weiß Van Van Bo Le-Mentzel aus eigener Erfahrung: Eine zeitlang war er selbst arbeitslos und auf Hartz IV angewiesen. Diese Erfahrung war es schließlich, die ihn auf die Idee brachte, mit selbstgebauten Möbeln sowie mit Sperrmüllresten zu experimentieren. Die Grundidee: Mach was draus und ergreife Initiative. Herausgekommen ist eine Serie von Möbeln und Einrichtungsgegenständen, die die Namen »24 Euro Chair«, (der Name ist Programm) »Berliner Hocker« (10 Euro, 10 Schrauben, 10 Minuten) oder die »100 Sec Lamp« (in 100 Sekunden aus Muffinpapier herzustellen) tragen.

Sie zeichnen sich allesamt dadurch aus, dass sie a) gut aussehen und dabei wenig kosten, sich b) ohne großen Aufwand von jedermann zusammenbauen lassen und c) dass für ihren Zusammenbau auch gebrauchte Materialien zum Einsatz kommen können. Wichtig ist Le-Mentzel in jedem Fall, dass der Material- und Arbeitsaufwand einen bestimmten Rahmen nicht sprengt und sich auch stilbewusste Menschen angesprochen fühlen können. Wie die Möbel und Accessoires schließlich zusammengebaut werden, erfährt man, wenn man die gewünschte Aufbauanleitung über hartzivmoebel.de bestellt – wohlgemerkt kostenlos. Auf einen Deal muss man allerdings bereit sein, einzugehen: Van Bo Le-Mentzel fordert ausdrücklich dazu auf, Fotos der fertig gebauten Möbel auf seine Seite zu stellen. Für knapp dreizehn Euro ist außerdem ein Buch mit allen Bauanleitungen erhältlich.

Mach was draus und ergreife Initiative II:
Le-Mentzel ist außerdem an unterschiedlichen Initiativen beteiligt, die zum Ziel haben, Jugendliche von der Straße zu holen und sie darin zu bestärken, mehr aus ihrem Leben zu machen. Welche weiteren Projekte der findige und sozial-aktive Architekt und Designer in Zukunft vorantreiben möchte und wie für ihn der Begriff Rest besetzt ist, beantwortet er in: Fünf Fragen an Van Bo Le-Mentzel.

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

© Fotos mit freundlicher Genehmigung von Van Bo Le-Mentzel
(Berliner Hocker: Daniela Kleint/24 Euro Chair: Cem Guenes/100 sec Lamp: Daniela Klient)

Van Bo Le-Mentzel ist unter anderem an folgenden Projekten beteiligt:
hartzivmoebel.de // kieztankstelle.de // Konstruieren statt konsumieren (Facebook)

Anm. d. Rdkt.: Obiger Text ist in Absprache mit Magazin für Restkultur auch im Obdach Blätt’l Heidelberg (März 2015) erschienen. Deshalb haben wir den Artikel »Mach was draus« ein weiteres Mal (diesmal mit zusätzlichen Informationen zur Obdachlosenzeitung Obdach Blätt’l) unter »Hartz IV Reloaded« veröffentlicht.

Der Rest – in anderen Medien

01.10.18

»Der Schatz für morgen«: Reste

Schwerpunktausgabe des Wirtschaftsmagazin »brand eins« rund um: Reste.

28.09.18

»Mülltrennung auf Belgisch«

»Orange ist für Bio, aber nicht für Eierschalen; blau ist für Plastik, aber nicht für Verpackungen«: über das neue Mülltrennungssystem in Brüssel.

06.09.18

»Burberry stoppt Verbrennen unverkaufter Ware«

»Lieber vernichten als Preise senken - damit soll bei Burberry Schluss sein. Das britische Luxuslabel will Ladenhüter künftig recyceln oder spenden. «

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu



Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.