Müllarchäologie

MÜLLARCHÄOLOGIE (auch: Garbologie)

= engl. Garbage (Müll). Wissenschaft vom Müll/des archäologischen Studiums von Müll. Gegründet wurde das Fach von Prof. William Rathje (*1945-†2012) an der Universität von Arizona (USA). Das Fach Müllarcheologie findet sich bislang nicht auf dem Lehrplan deutscher Universitäten. Anders in den USA, wo schon in den 1970er Jahren William Rathje und Cullen Murphy begonnen haben, sich mit den sehr zeitnahen Hinterlassenschaften unserer heutigen Zivilisation zu beschäftigen. Siedlungsarchäologen gewinnen in der Regel ihre Erkenntnisse über längst vergangene Gesellschaften und Kulturen über den Abfall, den die Menschen hinterlassen haben. So erzählt zum Beispiel eine zerbrochene Schale viel über die angewandte Technik, mit der die Schale hergestellt wurde, über die Brenntechnik und die Zusammensetzung des Tons. Vergleiche mit anderen Schalen können Auskunft über die typologische Eigenart geben, auf Importe schließen lassen und Neuheiten nachweisen. Nichts anderes ist bei Müll-Archäologie der Fall. Mülldeponien geben Auskunft darüber, ob Menschen in Mangelzeiten mehr Fleisch wegwarfen, Untersuchungen von Hausmülltonnen können Aussagen über Essgewohnheiten verifizieren oder falsifizieren. Müll gibt Auskunft über Lebensgewohnheiten und zeigt Veränderungen im Zeitgeist. Und gut sichtbarer Müll auf der Straße – denn heute vergräbt niemand mehr seinen Müll – verrät viel über die Menschen, die einen Ort nutzen und wie dieser Ort genutzt wird. „Müll gehört zu den erstaunlichsten stofflichen Hinterlassenschaften des Menschen für die Nachwelt. Wenn es uns gelingt, unseren Abfall zu erforschen, …, werden wir auch die Welt, in der wir leben besser durchschauen.“ (William Rathje / Cullen Murphy, Müll : Eine archäologische Reise durch die Welt des Abfalls, Goldmann 1994, S. 10) Siehe auch: wikipedia.org/wiki/Tucson_Garbage_Project (englisch) Text: Dr. Eva Becker

Beispiel

Siehe auch
Rudologie

Weiterführende Links
· Universität Arizona
·
 muell-archaeologie.de

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