Für zwei Tüten Lebensmittel: Tafeln im Selbstversuch

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Vorbereitete Lebensmitteltüten

Mit zwei sauberen Plastiktüten
Zu den Vorbereitungen an diesem Tag gehörte es auch, mich mit zwei sauberen Plastiktüten auszustatten, in die die Tafelmitarbeiter die Lebensmittel einpacken würden. Nun bin ich in an der Reihe und reiche diese über die improvisierte Theke. Dabei werfe ich einen ersten Blick in das Innere der Essensausgabe. Später werde ich zwar auch auf die zur Essenskammer umgenutzte  Tanzfläche des Lokals dürfen, doch noch stehe ich auf der anderen Tafelseite. Mein Blick fällt auf unzählige Kisten mit Obst, Gemüse, Brot und Konserven. „Und das sind alles Lebensmittel, die sonst weg geschmissen worden wären?“, frage ich mich. Nur wenige Augenblicke später – der Andrang ist groß – erhalte ich meine Tüten bis an den Rand gefüllt mit Gemüse, Brot und Fertiggerichten zurück. Doch die Frage nach den Resten ist längst der Frage gewichen, wie es sein muss, alle 14 Tage für zwei Tüten Lebensmittel hier anzustehen.

„Die Hofeinfahrt haben wir neu streichen und überdachen lassen“, beschreibt Hartmann später seine Versuche, es den Menschen hier im Rahmen des möglichen angenehmer zu gestalten. Denn – soviel steht fest: Es bereite niemandem Vergnügen, Tafelkunde zu sein.  Einen ebenso großen Beitrag leisten die knapp 10 ehrenamtlichen Helfer, die an diesem Vormittag alle Hände voll zu tun haben und freundlich und zuvorkommend auf die Klienten eingehen. Meine Gedanken: Schließlich aber sind und bleiben es doch „Reste“, die hier an Menschen ausgegeben werden, oder? Sicher: Supermärkte leisten eine Riesenunterstützung. Doch: Es sind und bleiben Lebensmittel, die dem Verwertungskreislauf entzogen werden und manchem Supermarkt zur kostengünstigeren Entsorgung vermeintlich nicht mehr verwertbarer Lebensmittel verhelfen, wie leider konstatiert werden muss. Was also der eine Teil unserer Gesellschaft übrig lässt oder für nicht kauf- oder verkaufswürdig hält, wird den „Armen“ und randständigen gegeben. Menschen also, die in irgendeiner Weise durch die Maschen unseres Sozialsystems fallen. Und – zumindest in Frankfurt – besteht keine wirkliche Wahlfreiheit: Ausgegeben werden kann ja schließlich nur das, was auch da ist. Werden alle Lebensmittel denn auch benötigt oder entsprechen sie überhaupt den Ernährungs- und Kochgewohnheiten der Bedürftigen?

Der Rest – in anderen Medien

08.11.21

»TAUSENDE TONNEN CORONA-MÜLL LANDEN IM MEER«

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21.01.20

»Schöner Wohnen mit Schrott«

»Ob Fußboden, Raumteiler, Stuhl oder Ziegel – immer mehr Designer tüfteln an neuen Werkstoffen aus Abfall. Selbst Urin wird zur Ressource. (…)«

07.01.20

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»Seit Oktober wird die Frankfurterin Iryna U. vermisst. Nun ist die Polizei sicher, dass sie getötet wurde und sucht in einer hessischen Mülldeponie.«

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