Für zwei Tüten Lebensmittel: Tafeln im Selbstversuch

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[4|14] Ein ungewöhnlicher Tag und ein Tauchgang im Bahnhofsviertel Frankfurts liegen hinter mir, als mich Ferdinand Hartmann mit einem kräftigen Handschlag verabschiedet.  Hartmann ist nicht nur Inhaber des Chango, ein Tanzlokal in der Münchner Straße, sondern an diesem Morgen auch für die Organisation der Lebensmittelausgabe bei der Frankfurter Tafel zuständig. Viele Frankfurter meiden zuweilen die Gegend – andere hingegen finden hier Drogen, käufliche Liebe und leider auch ein nicht immer ausreichendes Auskommen. Wir haben uns unter die Tafelkunden bei der Lebensmittelausgabe gemischt und ebenso aufmerksam wie zurückhaltend unseren Blick auf ein gravierendes Armutsphänomen unserer Zeit gerichtet.

 

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Vom Tanzlokal zur Speiseausgabe

Knapp 250 Tafelkunden
Um die zehn Tafelkunden warten bereits in der Hofeinfahrt, die zur Ausgabestelle führt, als ich mich um 11:30 Uhr in der Münchner Straße einfinde. Von Edith Kleber, der Leiterin der Frankfurter Tafel, habe ich im Vorfeld erfahren, dass im Laufe des Tages um die 250 Menschen hier angestanden haben werden. Kleber leitet seit knapp 20 Jahren die Frankfurter Tafel und ist freundlicherweise meiner Bitte nachgekommen, einen Vormittag lang der Ausgabe beiwohnen zu dürfen. Im Chango  ist es der Frankfurter Tafel nach langer Suche gelungen, einen Ort zu finden, an dem die Lebensmittelausgabe durchgeführt werden kann. „Weil ich es selbstverständlich finde, diesen Beitrag zu leisten“, wird mir Ferdinand Hartmann später erklären, dem es ein Herzensanliegen ist, die Räume seines Tanzlokals der Frankfurter Tafel zur Verfügung zu stellen. Am Abend werden die Türen für die Liebhaber südamerikanischer Rhythmen geöffnet werden.

Pünktlich um 12:00 Uhr beginnt schließlich die Lebensmittelausgabe und ich stelle mich in die Reihe der wartenden Menschen. Anders als die regulären Tafelkunden muss ich Ferdinand Hartmann oder einem Mitarbeiter der Tafel nicht den Frankfurt Pass vorlegen, der mich als Geringverdiener ausweisen würde. Die beiden sorgen übrigens nicht nur dafür, dass nur Berechtigte Einlass finden. Sie kümmern sich auch darum, dass die Stimmung bis zu einem gewissen Punkt als ausgelassen beschrieben werden könnte. Bei der Ausgabe der Lebensmittel gibt es eine klare Reihenfolge: Vorrang haben stets Mitarbeiter des Pflegedienstes, die Lebensmittel für ebenfalls sozial und nicht bewegungsfähige Benachteiligte abholen werden. Dann folgen Familien mit Kindern und ganz am Schluss schließlich die sonstigen Bedürftigen. In Gruppen von je drei werden die Tafelkunden nach und nach vorgelassen und reichen ihre mitgebrachten Tüten den Mitarbeitern der Tafel, die diese mit Lebensmitteln füllen.

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