Umwandlung von Ozeanriesen für die Zeit nach Peak Oil

Oder wie aus Öltanker Wohn- und Freizeitanlagen werden könnten

Nicht ob – nur wann
Die Frage ist ja nicht ob, sondern nur lediglich bis wann, das Erdölzeitalter sein absehbares Ende genommen haben wird. »Peak Oil« – also das Erreichen weltweiter Ölförderlimits – ist nach Meinung vieler Experten schließlich schon nah oder bereits überschritten. Dies wirft nicht nur Fragen danach auf, welche Energieversorgungsmöglichkeiten es in Zukunft geben wird. Ebenso interessant kann es auch sein, einen Blick darauf zu werfen, wie sich Infrastrukturen, die der Erdölgewinnung und dem -transport dienen, zukünftig neu- und umdenken lassen. Dieser Idee ist auch das Chris Collaris Designer- und Architekten-Kollektiv aus den Niederlanden nachgegangen. Herausgekommen ist eine als »Black Gold« bezeichnete Serie von Entwürfen, die um die Umnutzung dann obsolet gewordener Riesentanker kreisen. Als Ausgangspunkt nehmen die Gestalter die oft als übertrieben prätentiös und ikonenhaft wirkende Architektur jener Städte und Länder, die jahrzehntelang vom Erdölboom profitiert haben. Ausgerechnet an die Küsten der arabischen Emirate lassen sie nämlich ausgediente Supertanker stranden, die dort nicht nur zu seltsamen Relikten einer dann schon längst vergangenen Ära angesehen werden könnten.

Platz für ganze Dörfer
Chris Collaris und seinem Team geht es außerdem darum, auch eine Antwort darauf zu geben, welche tatsächlich die Region repräsentierenden Gebäude in Zukunft errichtet – oder wie in diesem Fall umgenutzt – werden könnten. Die »Black Gold«-Entwürfe bestechen nicht einzig durch diese unter Umständen ironisch anmutende Geste. Darüber hinaus dienen diese Architektur-Utopien gewissermaßen auch als Fingerübungen für Anforderungen unserer Zeit: Wie können Gebäudehüllen oder aber auch ganze Schiffskörper intelligent umgewertet werden und so neuen und auch Ressourcen schonenden Raumkonzepten Platz bieten? Dafür verfügen die gigantisch anmutenden Ozeanriesen schon jetzt über konstruktive Merkmale, die eine spätere Umwandlung in die von den Collaris-Architekten erdachte Umnutzung vereinfachen würden. Die doppelwandige Schiffsstruktur etwa böte, so die Gestalter, eine ideale Grundlage für die spätere Isolierung und auch die großdimensionierten Tankinnenräume seien wie geschaffen, um ganze Dorfgemeinschaften (von wohlgemerkt recht wohlhabenden Einwohnern) und deren Infrastrukturen zu beherbergen. Aber auch Platz für den Kunst- oder Konzertgenuss wäre gegeben, während auf den großflächigen Schiffsdecks Swimmingpools untergebracht werden könnten. Ob sich diese und andere Gedankenspiele, wie die weit gedehnter Flaniermeilen, jemals auch tatsächlich realisieren lassen, ist unter Umständen ja nur noch eine Frage der Zeit. Eine sinnvollere und ohnehin gestalterisch eindrucksvolle Alternative zum Ausschlachten der Schiffe böte dieses Konzept aber allemal.

©Renderings: Mit freundlicher Genehmigung Chris Collaris, Ruben Esser, Sander Bakker (Less Agency) und Patrick van der Gronde (Less Agency). 

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

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