Fünf Fragen an … Talley Hoban:
»Warten und beten ist keine Lösung.«

©Mit freundlicher Genehmigung Talley Hoban

Warten und beten ist keine Lösung

 Fünf Fragen an: Talley Hoban 

[02|14] Manche sagen Containern, andere auch Mülltauchen oder Dumpstern – gemeint ist die Suche nach Lebensmitteln in Supermarkt-Mülltonnen. Denn: Gängige Schönheits- oder Haltbarkeitsansprüche und Vermarktungsprinzipien führen noch immer dazu, dass eine große Zahl an Nahrungsmitteln, die kaum oder gar keine Mängel aufweisen, auf dem Müll landet. Dorthin zieht es sowohl jene, deren Armut sie dazu zwingt als auch Aktivisten, die damit ihre sozial-kritische Haltung zum Ausdruck bringen. Mit zahlreichen Aktionen hat auch Talley Hoban, eine Containerin der ersten Stunde, auf die grassierende Lebensmittelverschwendung hingewiesen. Seit einigen Jahren setzt sie außerdem als Initiatorin von Schnippelpartys Zeichen: Sie lenkt den Blick auf Gemüse und Obst, das gar nicht erst die  Supermarktregale erreicht, weil es die vom Handel und Verbrauchern verlangten Schönheitsideale nicht erfüllt.
Wir trafen Talley Hoban auf Facebook und haben sie unter anderem gefragt, ob sie noch im Müll taucht (wobei Talley diesen Ausdruck, weil missverständlich, nicht wirklich mag)Ihre ausführlichen Antworten überraschen.

Zur Person
mgzn-rstkltr: Containerst Du eigentlich noch – und wenn ja: Kannst Du aktuell einen Trend hin zu weniger noch völlig intakten Lebensmitteln im Müll erkennen?
Ich containere deutlich weniger. Das hat verschiedene Gründe:

Es wird zumindest hier in Wiesbaden weniger weggeschmissen oder mehr weggeschlossen. Containern ist für mich nicht die ultimative Lösung für die Probleme mit der Lebensmittelverschwendung. Und: Wenn immer mehr Menschen containern gehen, lohnt es sich nicht – was nicht heißt, dass es nicht noch genug zu finden gäbe!
Mittlerweile tendiere ich mehr zu saisonalen und regionalen Lebensmitteln, die ich direkt bei Bauern abhole. Mit diversen Aktionen mache ich außerdem Lust auf gesunde, ungenormte und natürliche Kost aus ihrer Region!

Als Foodsharing e.V. Botschafterin baue ich ein Netzwerk aus zuverlässigen und gewissenhaften Menschen auf, die offiziell im Namen von Foodsharing oder auch meiner Initiative „Back to the Roots – Schnippelparty“ Lebensmittel offiziell abholen, ohne den Tafeln etwas „weg“ zu nehmen. Aber auch andere Gesellschaftsgruppen und jeder Mensch, der Lust, Zeit und die Muse hat diese Lebensmittel zu verarbeiten, darf sich angesprochen fühlen.

Ich will das Wegwerfproblem mit Schnippelparties und mit dem neuen Ausgehtrend „Disko Soup“ (das auf meinem Konzept von 2008 basiert und sich weltweit ausbreitet) bekämpfen. Ein großer Teil des Problems basiert auf Unwissenheit und sinkender Wertschätzung aufgrund von Überangeboten.

Mittlerweile tendiere ich immer mehr zu Bio-Produkten und zu gesunder Kost. Was ich in Mülltonnen finde, hätte zum Teil erst gar nicht produziert oder geschlachtet werden sollen – und ich will in meiner Vorbildfunktion keinen Appetit darauf machen.

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