Fünf Fragen an … Peter Postleb, »Müllsheriff« a.D.

Im Gespräch mit dem ehemaligen Frankfurter »Müllsheriff«

Entsorgungs- und Reinigungsaufgaben halten in zahlreichen Großstädten eine Schar von Mitarbeitern rund um die Uhr beschäftigt. Allein in Frankfurt am Main sorgen knapp 460 Angestellte bei den städtischen Unternehmen FES und FFR für Sauberkeit. Als Leiter der Stabsstelle »Sauberes Frankfurt« hat Peter Postleb knapp dreizehn Jahre lang an entscheidender Stelle für Ordnung und nicht selten auch für Aufsehen gesorgt. Mit medienwirksamen Aktionen brachte er sich immer wieder ins Gespräch und den einen oder anderen Frankfurter an den Rand der Verzweiflung. »Da macht man sich nicht nur Freunde«, gibt er schmunzelnd zu, als wir uns in Frankfurt zu einem informellen Austausch treffen.
Gesprochen haben wir nicht nur über einen unbekannten Sperrmüllkünstler*, die Besonderheiten der »Big Belly«**-Mülltonnen,  oder darüber, dass Frankfurt am Main knapp 60 Millionen Euro jährlich für Reinigungsdienste aufwendet. Wir stellten ihm auch fünf Fragen rund um sein Wirken – und baten wie immer auch um eine Frage an uns.
1Herr Postleb, Sie waren unter anderem Gast bei Günther Jauch und auch in zahlreichen Medien ist noch heute von Ihnen zu sehen und zu hören. Nur gesetzt den Fall, dass Sie unter unseren Lesern niemand kennt: Wie würden Sie sich vorstellen?
Die gängigsten Bezeichnungen, die mir bisher verliehen wurden, sind »Saubermann« und »Müllsheriff«. Diese beiden Begriffe beschreiben im Grunde am besten, was in der öffentlichen Wahrnehmung mit mir verbunden wird.
2Dreizehn Jahre lang haben Sie  die städtische »Stabsstelle Sauberes Frankfurt« geführt – wie kam es eigentlich dazu?
Das war ein persönliches Anliegen der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth, der die Sauberkeit in Frankfurt besonders am Herzen lag. Ihr Wunsch war es aber auch, dass die Koordination der damit einhergehenden Aufgaben – und der zahlreich beteiligten Protagonisten – in einer Hand liegen sollte. Das war der Start der Stabsstelle.
3Was war der für Sie größte Erfolg, der vielleicht vielen Frankfurtern Tag für Tag noch ins Auge fallen dürfte?
Einen großen nachhaltigen Erfolg, den wir – auch im Vergleich zu anderen Städten – erzielt haben, ist das Thema »Hundekot«. Durch Kampagnen, Aufklärung und Goodwill-Ansprache, aber auch durch Kontrollen und der Ankündigung drastischerer Maßnahmen, ist es gelungen, Frankfurt tatsächlich bis heute sauber zu halten.

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*Unbekannter Spermüllkünstler: Bis heute ist unklar, wer für diese und andere Sperrmüll-Skulpturen verantwortlich zeichnet, die immer wieder in Frankfurt zu sehen waren. Sicher ist jedenfalls, dass diese kuriose Resteverwertung Peter Postleb in besonderer Erinnerung geblieben ist, wie er uns im Gespräch verrät. ©Foto: Peter Postleb

4Wo denken Sie, hätten Sie in Ihrer Zeit als Leiter der „Stabsstelle sauberes Frankfurt“ mehr erreichen können?
Mehr hätten wir in jedem Fall dort erreichen können, wo soziale Themen und Müllentsorgung und die interdisziplinäre Arbeit mit anderen Protagonisten wie Sozialarbeitern, Streetworkern etc. zusammen kommen. Da haben wir zwar einige sehr gute Projekte umgesetzt, aber es ist etwas, das mich heute noch ärgert. Dass wir seinerzeit nicht noch mehr auf den Weg gebracht haben – ganz besonders in den Stadtteilen. Als Beispiel sei hier die Wohnsiedlung am Ben-Gurion-Ring*** genannt, die immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.
5Und: Worüber ärgern Sie sich auch noch heute am meisten?
Ich ärgere mich noch immer, wenn Menschen mit dem öffentlichen Raum achtlos umgehen und Sachen beschmieren oder beschädigen. Da vermisse ich das Empfinden dafür, dass das unser gemeinsamer öffentlicher Raum ist – wenn ich so etwas sehe, dann kann ich mich sehr ärgern. Einige Frankfurter, die mich noch aus meiner aktiven Zeit kennen, wissen, wie hart ich manchmal durchgreifen kann.

** Big Belly-Mülltonnen: Mülltonnensystem aus den USA. Die Abfalltonnen verfügen über eine solargetriebene Presse, mit der der Abfall stark komprimiert wird. Eingesetzt wird es in stark frequentierten Fußgängerzonen. 
***Der Ben-Gurion-Ring ist einer der besonderen sozialen Brennpunkte im Norden Frankfurts. Die in Nieder-Eschbach gelegene Siedlungsanlage mit Hochhausblöcken aus den 1970er Jahren verzeichnet eine Vielzahl von Störungen und Delikten.

Herr Postleb, vielen Dank. 

Im Gespräch mit …

Die Frage an uns
Wann immer möglich, bitten wir in unseren Gesprächen auch um eine Frage an uns – und machen den Interviewten kurzerhand zum Interviewer. Was wollen unsere Gesprächspartner über Magazin für Restkultur erfahren? Vielleicht sind es ja die gleichen Dinge, die auch unsere Leser von uns gerne wissen möchten. Die bisher gestellten Fragen – und unsere Antworten – sind unter Fragen an uns zu finden.
Peter Postleb (ehemaliger »Müllsheriff«, Frankfurt/M.) fragt:
Wie definieren Sie Reste?
Reste sind ja sehr häufig voller Ambivalenzen und nicht immer eindeutig einzuordnen. Wann ist ein Rest tatsächlich auch ein Rest? Vielleicht gelangen wir ja in den nächsten noch verbleibenden neun Jahren zu einer präziseren Einschätzung – Magazin für Restkultur geht ja Ende 2023 offline und erklärt sich selbst zum Rest. Bis dahin suchen wir nach Antworten auf Ihre Frage! »Im Gespräch mit Peter Postleb 02|2015«
 

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