Für zwei Tüten Lebensmittel: Tafel Frankfurt im Selbstversuch

Zu Gast bei der Frankfurter Tafel

Eine von vielen Geschichten

IMG_0617Etwas benommen von den Eindrücken komme ich, mit zwei Lebensmitteltüten ausgestattet, vor der Hofeinfahrt mit dem wohnungslosen Holger ins Gespräch. Seine Geschichte – nur eine von vielen, die heute Mittag erzählt werden könnten –, macht nachdenklich: Er sei zwar wohnungslos, besitze aber noch nicht den Frankfurt Pass. Erst die Trennung, dann der Wohnungs- und schließlich der Arbeitsplatzverlust haben ihn binnen weniger Monate ins soziale Aus befördert, erfahre ich von ihm. Da kann man nix machen? Nein, er sei bei allen Ämtern registriert und warte derzeit auf eine Wohnung. Naheliegend ist die Frage, ob und wie die Politik den Menschen oder der Tafel zur Seite steht. In Frankfurt guckt sie eher weg als hin, ist der wohlgemerkt etwas spontane Eindruck, den ich später aus den Gesprächen mit den ehrenamtlichen Helfern mitnehme. Schon geht es aber für diese weiter: Bis um 16:00 werden sie Lebensmittel in Tüten packen, um sie den wartenden Menschen auszuhändigen. Dann geht es daran, im Chango für Ordnung zu sorgen.

Ich mache mich irgendwann auf den Weg zurück in meine vermeintlich gesicherte Existenz und komme ins Grübeln. Ja, es sind gigantische Mengen an Lebensmitteln, die (siehe Fotos) vor der Vernichtung bewahrt werden. Doch nur angenommen, es ließe sich tatsächlich effizienter gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen (die paradoxerweise das Ergebnis einer im Überfluss lebenden Gesellschaft ist) – würden damit die Probleme, wie die von Holger, nicht etwa noch größer? Hinzu kommt ohnehin, dass nicht alle Bedürftigen, die Anspruch auf Lebensmittel von der Tafel hätten, sie überhaupt bekommen: Es ist nicht genug für alle da – zum Zeitpunkt unseres Besuches herrschte Aufnahmestopp und die Tafelkunden dürfen ohnehin nur alle 14 Tage Lebensmittel abholen.

Und meine Lebensmitteltüten? Die habe ich Holger gegeben.

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

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