Buchvorstellung: »Pfandsammler«

Buch(kurz)vorstellung: Pfandsammler – Erkundungen einer urbanen Sozialfigur (2014)

©Cover Pfandsammler, Hamburger Edition

Pfandsammler begegnen dem aufmerksamen Betrachter allenthalben. In bahnhofsnähe oder in Einkaufspassagen halten sie Ausschau nach Flaschen oder Dosen, die für einen Gegenwert von acht bis 25 Cent in Supermärkten eingelöst werden können. Doch was veranlasst Menschen einer Tätigkeit nachzugehen, die – so die Annahme – kaum für ein auskömmliches Leben reichen dürfte? Der Autor und Soziologe Sebastian J. Moser geht dieser und anderen Fragen in seinem Buch »Pfandsammler« nach – und nimmt den Leser auf seinen Streifzügen mit.    

Zugegeben: diese Buchbesprechung erscheint mit nahezu vierjähriger Verspätung. Deshalb haben wir den Autoren im Vorfeld kontaktiert und uns nach dem Aktualitätswert von »Pfandsammler« erkundigt. »Von den Fallbeispielen abgesehen ist das Buch durchaus aktuell«, so Sebastian J. Moser auf unsere Anfrage. Umso mehr, wenn der Leser die Brille aufsetzt, unter der er das Buch verstanden wissen möchte: der differenzierten Betrachtung von Armut anhand des sozialen Phänomens der Pfandsammler. Ein Phänomen, das (so der Autor) zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch weitestgehend unerforscht schien. Und ein Phänomen (so unsere Anmerkung), das jedem begegnet, der mit offenen Augen Innenstädte und Bahnhöfe durchquert oder in anderer Weise frequentiert.

Das knapp 250seitige Buch (Verlag Hamburger Edition) basiert auf einer Studie, die Sebastian J. Moser im Zuge seiner Dissertation durchgeführt hat. Entsprechend wissenschaftlich-methodisch sind daher bisweilen die Sprache, Gliederung und Systematik. Das aber ist dem Lesefluss (trotz oder gerade wegen der unzähligen Anmerkungen und Quellenangaben) der zweiteilig gegliederten Arbeit nur bedingt abträglich. Während es im ersten Teil des Buches um die Phänomenologie des Pfandsammelns und um die»Krisenlösung Pfandsammeln« geht, wirft der Autor im zweiten Abschnitt einen Blick auf die Ambivalenz von »Drecksarbeit« und zieht Parallelen zu den nur noch im Sprachgebrauch bekannten »Lumpensammlern«.

Dem wissenschaftlichen Charakter seiner Arbeit entsprechend, hält Moser eine entsprechend beobachtende Distanz zu dem Objekt seiner Erkundungen ein. Der Leser wird so durch die Arbeit geleitet, jedoch nicht tendenziös in Beschlag genommen. Dies lässt umso stärker die zum Teil sehr prekären Lebenslagen vieler Menschen, die in dem Buch beschrieben werden, plastisch in den Vordergrund treten. Überdies verschafft Moser dem interessierten Leser mit zahlreichen Exkursen in die Welt des Mülls und vermeintlichen Randgesellschaften interessante und lesenswerte Eindrücke, die (ein gewisses Interesse für diese Themen vorausgesetzt) »Pfandsammler« zu einer besonders interessanten Lektüre machen.


Sebastian J. Moser
Pfandsammler
Erkundungen einer urbanen Sozialfigur
Klappenbroschur, ca. 270 Seiten
Hamburger Edition, 2014
Preis € (D) 22,00
ISBN 978-3-86854-276-9

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2018

 

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