Buchvorstellung:
Kochen mit Brot

©Tainá Guedes

Buchvorstellung
»Mit Brot kochen«

Es sind eher die kleinen Geschichten und Erzählungen, die uns die Armut der Nachkriegszeit wieder vor Augen führen. Anekdoten die uns verdeutlichen, wie viel Menschen aus wenig zu machen in der Lage waren und die uns davon erzählen, mit viel welchem Respekt und welcher Dankbarkeit die Nachkriegsgeneration mit Lebensmitteln umzugehen wusste. „Lebensmittel wegschmeißen? Niemals!“, sagt meine Mutter noch heute, die den unvorstellbaren Mangel nach dem zweiten Weltkrieg kennengelernt hat. Es sind daher auch die besonderen Rezepte, die unsere Eltern und Großeltern zurück in ihre Kindheit versetzen und die uns nur schemenhaft vor Augen führen können, dass es mal eine Zeit gab, in der kein Überfluss herrschte. Eine Zeit, in der die Speisekammern leer waren, in der ein hartes Stück Brot in Getreidekaffee mit Sirup gewürzt zur Leibspeise werden konnte und eine Zeit, in der jeder Essensrest kostbar war. Gut, dass es Bücher wie das von Tainá Guedes gibt, die uns die Wertschätzung für Lebensmittel wieder nahebringen.

Aus wenig viel machen 

Dass der respektvolle und nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln auch noch heute für uns vorstellbar und umsetzbar sein sollte, findet auch Tainá Guedes. Die gebürtige Brasilianerin ist diplomierte Köchin aus Leidenschaft und sie erzählt uns, wie sie auf die Idee gekommen ist, Brot in den Mittelpunkt ihres Kochbuches Kochen mit Brot zu stellen:

Begonnen hat alles im Jahr 2011, als ich die Gelegenheit hatte, auf der von Slow Food organisierten Veranstaltung »Teller statt Tonne«, zwei Projekte von mir in Berlin vorzustellen. Mit dem Wunsch den bewussten, genussvollen und ökologisch nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln zu fördern, entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Umweltaktivistin Lynn Peemoeller aus New York das Projekt  »Fruit Loot«. Wir sammelten auf öffentlich zugänglichen jedoch ungenutzten Flächen Berlins Nüsse und Obst und kochten Gerichte daraus, die wir bei der Veranstaltung servierten. So haben wir auf die Themen Umwelt und Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht.

Das zweite Projekt, das wir vorgestellt haben, haben wir »Share Food« genannt. Dabei handelt es sich um eine gastronomische Veranstaltungsreihe, bei der ich koche und die Menschen einlade, etwas zu teilen, von dem sie glauben, dass es zu einer besseren Welt beitragen könnte. Es entstehen Zeichnungen, Fotos und Texte, die in einem Magazin veröffentlicht werden, um so die Idee des Teilens weiter zu verbreiten. Die erste Publikation dieses »Sharezines« haben wir bei »Teller statt Tonne« präsentiert. Ich habe angefangen die Rezepte für das Buch zu entwickeln, nachdem ich Joachim Weckmann, bei der Veranstaltung »Share Food« begegnet bin. Der Besitzer der demeter Bäckerei Märkisches Landbrot in Berlin-Neukölln hat für die Veranstaltung das Brot gestiftet und so haben wir uns inmitten der knapp 800 Anwesenden kennengelernt. Und zwar in dem Augenblick, als ich ihm eine Serviette reichen wollte. Sie sei nicht fair gehandelt und nachhaltig, sagte er zu mir und lehnte sie ab. Für mich sind es die  Worte eines Meisters gewesen –  die Begegnung mit ihm hat mein Leben und meine Art zu Kochen stark beeinflusst.

Seitdem denke ich viel über Brot nach, über seinen Wert und seine Bedeutung für unsere Gesellschaft und über eines der größten Probleme unserer Nahrungskette, nämlich der Verschwendung von Lebensmitteln.  Ich war und bin sehr motiviert Rezepte zu entwickeln, die die Menschen dazu inspirieren können, Reste wieder und weiter zu verwerten. Reste sind für mich eine Herausforderung. Etwas das recycled werden muss, etwas das reduced werden muss, etwas das reused werden muss. Wenn soviel hergestellt wird, dass es niemand (mehr) will, dann macht es keinen Sinn, immer weiter zu produzieren. Über alles was in unserem Müll landet, sollten wir uns Gedanken machen.“

Brot wegschmeißen? Iwo!

Die Rezepte von »Kochen mit Brot« verwenden zwar Brot nicht immer als Hauptzutat, können aber als Anregung zur Verwertung alter Brotbestände verstanden werden. Zu finden sind darin pakistanische oder französische Rezepte ebenso wie spanische oder afro-brasilianische Speisen, in denen Brot mal eine kleine, mal eine größere Rolle spielt. Aber auch »Lieselottes Nachkriegs-Brotsuppe«, die uns zu unserer Einleitung inspiriert hat, kann mit Taniá Guedes Rezeptbuch nachgekocht werden. Im Vorwort der Autorin ist außerdem viel Wissenswertes über Brot und seine Geschichte sowie zu seiner kulturellen Bedeutung zu erfahren. In amüsant und zuweilen auch nachdenklich verfassten Zwischenkommentaren lässt Guedes ihre Wertschätzung für Lebensmittel und ihr Wissen darüber auch auf den Leser überspringen. Gegliedert ist  »Kochen mit Brot« in die Kapitel Salate, Suppen, Vor- und Haupt- sowie Nachspeisen. Die liebevolle Aufmachung der knapp 100 Seiten und 34 Rezepte (Gestaltung : Thomas Meyer) wird von Illustrationen der Autorin flankiert, fotografiert hat Naoko Yasukochi. Übrigens: Das Team von Magazin für Restkultur wird demnächst eines der Rezepte  von Tainá ausprobieren und einen kulinarischen Erfahrungsbericht dazu schreiben.

Kochen mit Brot
Tainá Guedes

RSTKLTR_KmB_U1_01

14.99 Euro (+Versand), A5 Softcover, 100 Seiten //
im Selbstverlag Tainá Guedes erschienen //
ISBN 978-3-00-040500-6

©Fotos mit freundlicher Genehmigung Tainá Guedes

MS für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

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