Restobstverwertung:
»Auch die mit Schalenfehlern«

Von einer guten alten Resteverwertungsidee

»Auch die mit
Schalenfehlern«

Auf Magazin für Restkultur ist man auch im hohen Norden aufmerksam geworden: Aus der Nähe von Kiel, genau genommen aus Schwartbuck, hat uns nämlich eine Mail von Silke Kühl erreicht, mit der sie auf eine gute alte Resteverwertungsidee der besonderen Art aufmerksam macht.
Hunkelstide: Auch die kleinen, krummen Früchte und die mit Schalenfehlern
©Foto: Michael Müller mit freundlicher Genehmigung Silke Kühl/Hunkelstide

Angefangen hat für die 53jährige alles damit, dass sie ihr Job als Sozialpädagogin und systematische Familienberaterin im Öffentlichen Dienst „einfach genervt hat“ und sie eigentlich zurück in die Landwirtschaft wollte. Denn: Silke Kühl versteht sich nicht nur auf den Umgang mit Menschen, sondern hat auch Landwirtschaft studiert. „Das kam, weil … Ach, das ist eine lange Geschichte, über die wir dann doch lieber bei einem Glas Wein sprechen können!“, sagt sie uns, als wir nach den Gründen für die doch recht unterschiedlichen Berufslaufbahnen fragen. Auf der Suche nach einer in ihren Augen sinnvolleren Tätigkeit hat sie sich jedenfalls vor drei Jahren gefragt, ob es nicht möglich sein könnte, Obstüberschüsse sinnvoll weiterzuverarbeiten, anstatt sie wegzuschmeissen. Ich habe noch nie verstanden, warum Obst und Gemüse überhaupt weggeschmissen werden müssen!“, betont sie.

Eine Tonne Obst – im Monat
Silke Kühl hat eine Antwort gefunden: Seit knapp zwei Jahren verarbeitet sie Früchte aus landwirtschaftlichen Betrieben und Privatgärten in ihrer Umgebung zu Trockenobst. Knapp eine Tonne Früchte im Monat erhält der kleine Betrieb Hunkelstide (Gehunkel = plattdeutsch Obstreste/Fallobst; Tide= Wechsel zwischen Ebbe und Flut) von einer Bioland-Gärtnerei und einem Obsthof. Aber auch Früchte von einem kleinen Obst- und Gemüseladen sowie diversen Privatgartenbesitzern finden Verwendung. Und: „Wenn alles so läuft wie ich es will, auch bald von einer Supermarktkette“, sagt sie. Verarbeitet wir das Gehunkel in einer eigens dafür eingerichteten Küche und in einem speziellen Dörrschrank. Damit die Vitalstoffe erhalten bleiben, wird das Obst sofort nach dem es in feine Scheiben geschnitten wurde, bei Temperaturen von unter 40° C gedörrt – und das schmeckt man!, ist ihr wichtig zu betonen. Was wir übrigens bestätigen können, denn: Wir haben uns im Vorfeld eine kleine Kostprobe von Silke zuschicken lassen, damit wir auch wissen, worüber wir schreiben. Zum Erhalt der Biodiversität trocknen Silke Kühl und ihr Freund – und wenn es im Herbst sehr viel Obst gibt, auch einige Helfer – übrigens auch alte und vom Aussterben bedrohte Obstsorten.

Auch die mit Schalenfehlern
Für Hunkelstide-Trockenobst finden auch die kleinen, krummen Früchte Verwendung, die sogenannte Schalenfehler aufweisen und dadurch nicht marktfähig sind. Zur Zeit werde aber hauptsächlich regionales Lagerobst verarbeitet, denn, so lernen wir: „Wenn das Lagerobst aus der Kühlung kommt, wird es ganz schnell mürbe und ist als Frischobst nicht mehr vermarktbar“. Im April, März sind es dann Äpfel und Birnen, die aus der Region stammen und dann eben im August wieder, wenn die Erntesaison beginnt. Auf dem kleinen Resthof* im Norden werden im Sommer dann auch Erdbeeren und andere Beerenfrüchte verarbeitet. Und – obwohl es die gelernte Landwirtin eigentlich ablehnt, Produkte aus Übersee zu vermarkten – findet man in ihrem Hofladen auch getrocknete Kiwis und Bananen, die sie aus Supermärkten rettet. Denn verstanden hat sie ja noch nie, warum sie überhaupt weggeschmissen werden müssen …

Übrigens:  Besucher sind herzlich Willkommen – auf sie wartet eine äußerst ungewöhnliche Unterkunft, falls sie auch über Nacht bleiben wollen …

Weitere Informationen

 *Resthof: Umgenutzter Bauernhof/landwirtschaftliche Fläche.

Außerdem: Hunkelstide Früchte sind unter anderem bei UNVERPACKT Kiel erhältlich. In einem besonderen Schwerpunkt gehen wir in Kürze Ladenkonzepten auf den Grund, die durch den Verzicht auf Umverpackungen für weniger – nein, für gar keine! – Plastikreste sorgen. Sobald es soweit ist, informieren wir darüber über unseren Newsletter (Restmeldungen).

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

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