100 Tage Lose Dresden: Den Rest überlassen wir diesmal … Berit Heller

Lose Dresden, Aussenansicht
Lose und unverpackt einkaufen? Seit hundert Tagen auch in Dresden

Denjenigen, die sich Plastikverpackungen ausdenken, würde ich gerne sagen, … dass sie mit dem heute verdienten Geld, am Ast ihrer Kinder und Kindeskinder sägen.

– Berit Heller im Gespräch mit Magazin für Restkultur –

[07|15] Plastik- und Kartonumverpackungen begegnen uns überall und erweisen sich als praktisch unverzichtbar. Überall und unverzichtbar? Nicht ganz. Denn heute vor genau 100 Tagen feierte in der sächsischen Landeshauptstadt ein weiteres Lebensmittelgeschäft seine Eröffnung, in dem gänzlich auf Umverpackungen verzichtet wird. Anders als in herkömmlichen Geschäften werden bei Lose Dresden Nudeln, Reis oder aber auch Tierfutter nämlich nicht verpackt, sondern eben lose angeboten. Ein Konzept, das sich eines wachsenden Zuspruchs erfreut  und darauf schließen lässt, dass wir Menschen Umverpackungen höchstenfalls als praktisch empfinden – auf den damit einhergehenden Verpackungsmüll aber verzichten wollen.

Wir haben zum Hunderttägigen mit der Besitzerin und Ideengeberin Berit Heller gesprochen, zehn Sätze vorgegeben – und ihr den Rest überlassen …

1. Am Tag 1 von Lose Dresden war ich sicher, dass …
. . .  ich mit dem Konzept des Ladens bei vielen Menschen offene Türen einrennen werde.

2. Nach 100 Tagen Lose Dresden ziehe ich das Fazit, dass …
. . .  mit der Eröffnung des Ladens viele offene Türen eingerannt, aber ebenso viele neue geöffnet wurden.

3. Es gibt eigentlich keinen Grund, dass nicht alle Supermärkte unverpackt verkaufen, denn …
 . . .  der Nutzen wiegt den (zugegebenermaßen existierenden, aber kleinen Mehraufwand) bei Weitem auf!

4. Denjenigen, die sich Plastikverpackungen ausdenken, würde ich gerne sagen, dass …
. . .  sie mit dem heute verdienten Geld, am Ast ihrer Kinder und Kindeskinder sägen.

5. Langsam wird es Zeit, dass die Entscheider aus Politik und Wirtschaft einsehen, dass es mit viel weniger Verpackung geht, denn …
. . .  (auch wenn es mehr und mehr kleinere und größere Privatinitiativen gibt und die Schar der Menschen immer mehr wächst, die für dieses Thema sensibel werden) eine grundlegende Wende kann  nur durch Gesetze erreicht werden.

6. Verpackungen kann man aber zugutehalten, dass …
 . . .  sie praktisch sind.

7. Das bislang schönste Erlebnis hatte ich bei Lose Dresden, als …
 . . .  sich meine Stammkunden in der Kaffeeecke plötzlich miteinander unterhielten und über die Welt philosophierten.  Aber auch, als schon erfahrene Kunden neuen Kunden wie ganz selbstverständlich das Einkaufsprozedere in unserem Laden erklärten, da ich gerade an der Kasse beschäftigt war.

8. Und richtig geärgert habe ich mich hingegen, als …
(so richtig geärgert habe ich mich eigentlich bisher zwar nicht) . . . vor einiger Zeit das Kassensystem kurz vor Feierabend komplett ausstieg und ich mit den im Laden verbliebenen Kunden Dreisatzaufgaben lösen musste. Das war schon recht mühsam.

9. Als Weltverbesserin würde ich mich dennoch nicht bezeichnen, weil …
. . .  es nicht mein Anspruch ist, die Welt zu retten, sondern weil es mir viel wichtiger ist, Dinge im Kleinen zu tun und Menschen im persönlichen Gespräch zum Nachdenken zu bringen.

10. Für die nächsten 1000 Tage wünsche ich mir, …
. . .  dass die Zahl der Stammkunden wächst! . . .  dass weiterhin täglich Neugierige vorbei schauen, sich von der Idee inspirieren lassen und dann vielleicht sogar wieder kommen und auch Stammkunden werden. . . .  dass dieses jetzt schon so wundervoll familiäre Verhältnis im Laden und zwischen den Menschen bestehen bleibt und noch intensiver wird! . . .  dass ich weiterhin zahlreiche Anfragen aus ganz Deutschland erhalte und um Rat gebeten werde, weil es Nachahmer gibt. . . .  dass der Schneeballeffekt größer und größer wird und damit wieder Hoffnung wächst.

Bildeindrücke aus dem verpackungsfreien Lebensmittelmarkt Lose Dresden

Berit Heller, <i>Lose Dresden</i>
Berit Heller, Lose Dresden

 

Wir danken Berit Heller für die Antworten.

 

 

 

 

Unverpackt einkaufen: Bulk Shopping

In den USA und Kanada aber auch den Niederlanden ist es weit verbreitet, Waren oder Lebensmittel nach Gewicht oder Menge zu kaufen. Bulk (=Masse) Shopping hat nicht nur den Vorteil, dass keine weiteren Umverpackungen nötig sind – der Kunde legt die Menge seiner Einkäufe außerdem selber fest. Lose Waren werden dafür in sogenannten Bulk Bins (bin=Kasten) eingefüllt, die Mittels entsprechender Dosiervorrichtungen wieder entnommen werden können.

Lose Dresden
Lose Dresden (Seit 01. April 2015)
Böhmische Straße 14
01099 Dresden
losedresden.wix.com

©Fotos: Lose Dresden

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Der Rest – in anderen Medien

24.10.18

»Was bringt ein Plastikverbot?«

Die FAZ zu dem geplanten Verbot diverser Plastikartikel in der EU.

24.10.18

»Mikroplastik im Darm nachgewiesen«

»Plastik in Gewässern und Böden wird zunehmend zum Problem. Forscher haben winzige Plastikpartikel nun auch in menschlichen Stuhlproben gefunden […]«

01.10.18

»Der Schatz für morgen«: Reste

Schwerpunktausgabe des Wirtschaftsmagazin »brand eins« rund um: Reste.

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