Zero Waste-Aktivistin Bea Johnson in Kiel: »Verschwende weniger, lebe mehr«

Gastbeitrag zum Besuch der Zero Waste-Aktivistin Bea Johnson in Kiel

Zero Waste-Initiatorin Bea Johnson (l.) und Marie Delaperriére (Unverpackt Kiel)

Gastbeiträge auf Magazin für Restkultur
Auf Magazin für Restkultur lassen wir gelegentlich Autoren, Experten und andere Akteure zu Wort kommen – und zwar immer dann, wenn uns interessante Ideen begegnen, Veranstaltungsreports erreichen oder wenn wir glauben, dass sich mit „fremden Federn“ ungewohnte Winkel ausleuchten und neue Perspektiven einnehmen lassen. Restvermeidungs- oder -verwertungsideen können darin ebenso eine Rolle spielen wie vielversprechende Alternativen oder aber auch Ideen und Konzepte, die im weiteren oder engeren Sinne »Reste« in den Mittelpunkt stellen. Die von den Autoren geäußerten Ansichten müssen dabei weder im Ganzen noch in Teilen mit der Meinung der Betreiber von Magazin für Restkultur übereinstimmen. Alle Rechte der Gastbeiträge liegen bei den Autoren. Weitere Informationen unter Mitmachen und Copyright/Irrtuemer.

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Übersichtlich: Der Müll der Familie Johnson aus dem Jahr 2013 ©Foto: Bea Johnson
Wer es genau nimmt, könnte der Aktivistin Bea Johnson ja vorhalten, dass sie das Versprechen »Zero Waste« zu hinterlassen, nunmal nicht ganz hält. Das Müllaufkommen der fünfköpfigen Familie Johnson summiert sich ja immerhin auf den Inhalt eines 1 Liter-Einmachglases – jährlich. Im Vergleich: Im Durchschnitt hinterlässt jeder Europäer einen Abfallhaufen von knapp 600 Kilo im Laufe des gleichen Zeitraums. In Anbetracht dieses zahlenmäßig sehr unvorteilhaften Verhältnisses verwundert es daher nicht, dass der Amerikanerin niemand den unbestrittenen Rang in puncto »Zero Waste«-Führerschaft streitig kann und will. Ganz im Gegenteil: Bei einer Visite anlässlich der Präsentation ihres Buches in Kiel zog sie die Aufmerksamkeit zahlreicher Fans und Mitstreiter auf sich, wie uns Marie Delaperrière in einem Gastbeitrag für Magazin für Restkultur wissen lässt. Die Inhaberin des ersten verpackungsfreien Lebensmittelgeschäftes in Deutschland Unverpackt Kiel hatte sich für das Kommen der Aktivistin stark gemacht und die Veranstaltung organisiert.

Kiel, 19. November 2015 | von Marie Delaperrière
Am 19. November war es endlich soweit. Bea Johnson, Begründerin der Zero Waste Bewegung und Autorin des Buches Zero Waste Home, besuchte Kiel und sprach vor über 250 Interessierten im Audimax. Die Gewinnerin des Green Awards 2011 (USA) verleiht der Abfallvermeidung seit 2008 ein modernes Image. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung maßgeblich von Marie Delaperrière, Inhaberin von Unverpackt Kiel, sowie zahlreichen freiwilligen Unterstützern und in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel (CAU) und dem Umweltschutzamt Kiel.

Zero Waste-Lifestyle open Source
Als erster Programmpunkt des Tages stand am Vormittag ein Besuch Bea Johnsons an der Kieler Gelehrtenschule auf dem Plan, wo sie mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe über den Sinn und die Möglichkeiten der Abfallvermeidung diskutierte. Im Anschluss drängten sich ab 15 Uhr zahlreiche Zero Waste-Anhänger und solche, die es werden wollen, in den Verkaufsraum von Unverpackt Kiel, um die französischstämmige Wahl-Kalifornierin bei ihrem ersten und einzigen Tourtermin in Deutschland zu sehen. Was als erstes Kennenlernen, als Buchverkauf von Zero Waste Home und Signierstunde geplant war, wandelte sich spontan in einen ersten, durch Fragen der Anwesenden angestoßenen, Kurzvortrag Johnsons. Dabei wurden zwei Dinge bereits deutlich: Zum einen gibt es in Kiel und Umgebung offenbar zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein nachhaltiges Konsumverhalten nicht nur interessieren, sondern ein solches bereits mehr oder weniger strikt leben. Zum anderen scheint die Umsetzung eines Zero Waste-Lifestyles ein Open Source-Projekt zu sein, bei dem eine Plattform zum Ideen-Austausch hilfreich und bereichernd ist. Und einen solchen Anlass zum Austausch bot der Tag mit Bea Johnson allemal.

 

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Reges Interesse an den Ausführungen Bea Johnsons im Auditorium der Christian-Albrechts-Universität

Leibliches Wohl – natürlich ohne Müll
Ab 18 Uhr trudelten die ersten Besucher der Abendveranstaltung ins Foyer des Audimax der CAU ein. Passend zum Thema des Vortrags stellten sich per Infostand einige Kieler Projekte vor, die sich mit Nachhaltigkeit, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Abfall sowie dem sorgsamen und kritischen Umgang mit Ressourcen und Produkten beschäftigen. Es waren Fill up (nachfüllbare Glasflaschen), Gemüse-Ringen (Gesellschaftsspiel), Mister D (Erfrischungsgetränk), Foodsharing (Lebensmittel) und Holzknoten (Regale) vor Ort. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt, natürlich ohne dass dabei Müll anfiel. Etwa eine akademische Viertelstunde nach 19 Uhr waren die meisten der 400 Plätze des Hörsaals H belegt.

Bevor Bea Johnson mit ihrem bild- und videogestützten Vortrag begann, eröffneten Dr. Norbert Kopytziok, Leiter des Projekts „klik – klima konzept 2030“ der CAU, Nicoline Henkel, vom Umweltschutzamt Kiel, und Marie Delaperrière als Gastgeberin des Abends mit einigen Worten die Konferenz. Und dann kam endlich die „Priestess of Waste-Free Living“ (New York Times) zu Wort.

Der Rest – in anderen Medien

25.06.17

»Kleidung aus Plastikschrott«

Mit obiger (etwas dissonanten) Überschrift fragt Spiegel.de, ob es gut für die Umwelt ist, dass Modekonzerne Kleidung aus Plastikmüll herstellen.

29.05.17

"Selbst beim Talk wird der Restsport erdrückt"

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel über die Sendung "Hart aber Fair", in der über die "Untiefen des Kommerzfussballs" debattiert wurde.

17.04.17

»Toter Säugling in Kleidersack«

»Die Leiche des Säuglings lag in einem Kleidersack in einem Container. Zwei Mitarbeiter einer Spedition hatten das tote Baby entdeckt.«

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