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»Was kommt danach?« Das wußte wohl nur einer.

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Podiumsdiskussion in Frankfurt am Main: Eine Antwort auf die Frage »Der Geist der Verschwendung – was kommt danach?« konnte nach der knapp zweistündigen Veranstaltung wohl höchstenfalls der Ökonom und Wachstumskritiker Niko Paech geben. Der Professor brachte seine Antworten gewissermaßen schon im Handgepäck mit.

Von links nach rechts: Kristine Heckmann, Niko Paech, Laura Krautkrämer (Moderation), Christiane Fuchs und Matthias Emde. ©Foto: mgzn-rstkltr
[05|15] Mit »Der Geist der Verschwendung – was kommt danach?« war die Podiumsdiskussion überschrieben, die am 7. Mai 2015 im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt/M. stattfand. Sie reiht sich ein, in die von der Kunsthistorikerin Nicole Hohmann und den Museumsverantwortlichen ins Leben gerufene Veranstaltungsserie »Blickwechsel – Zukunft gestalten«. Vierteljährlich stellt das Museum damit nicht nur Fragen rund um die gute Gestaltung von Produkten, sondern auch relevante gesellschaftliche Themen in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. An der teilweise hochkarätigen Besetzung und den knapp hundert interessierten – und mit debattierenden Besuchern – hat es allerdings nur zum Teil gelegen, dass die Diskussion zeitweise richtungslos dahinplätscherte und recht offen und ergebnislos blieb.

Eine Antwort auf die Frage »Der Geist der Verschwendung – was kommt danach?« konnte nach der knapp zweistündigen Veranstaltung wohl höchstenfalls der Ökonom und Wachstumskritiker Niko Paech geben. Dies war allerdings weniger auf die Beiträge der Mitdisputanten oder den anschließenden Publikumsfragen zurückzuführen. Der Professor brachte seine Antworten gewissermaßen schon im Handgepäck mit: Paech gilt als scharfer Wachstumskritiker und als ausgewiesener Experte in Fragen der sogenannten Postwachstumsökonomie. Für den 54jährigen steht ja schließlich schon seit vielen Jahren fest, dass nur ein konsequenter Wachstumsausstieg die Natur und die Menschheit vor einem drohenden Kollaps bewahren könne.

In einer knapp 15minütigen Vorabkeynote gelang es dabei Niko Paech nur bedingt, den Funken seiner Ideen auf die Zuhörer überspringen zu lassen – dafür war die Zeit einfach zu kurz bemessen und die Materie zu komplex. Paechs Vorstellung einer Degrowth-Gesellschaft nachhaltigen Zuschnittes beruht im Kern auf einer Konsumdiät, in der Genügsamkeit und Selbstversorgung (Teilen reparieren, Gärtnern, aus Müll etwas machen) eine zentrale Rolle spielen. Ergänzt wird das vorgestellte Viersäulen-Modell um die Hinwendung zur Regionalökonomie sowie einem industriellen Rückbau. In der anschließenden Diskussion mit Mitrednern und Publikum zeigte sich aber auch, dass seine Ideen nicht nur auf Verständnis und rückhaltlose Unterstützung stoßen. Kritik und Skepsis, die der Ökonom allerdings freundlich aber entschieden zurückwies, wurden ebenfalls laut.

Die vielleicht größte Stärke des Abends war die Anwesenheit des streitlustigen Ökonomen – stellte sich zugleich aber auch als größte Schwäche heraus. Denn: Die Beiträge der Mitredner Christiane Fuchs (Kulturmanagerin), Kristine Heckmann (Hess Natur) und Matthias Emde (Transition Town Frankfurt) trieben stets im Fahrwasser der Ausführungen Paechs oder standen sogar in deren Schatten. In ihren Wortbeiträgen ließen sie dabei nur undeutliche Schlüsse darauf zu, welche Hebel ihres Erachtens schon heute mit Blick auf die Zeit danach umzulegen sind. Während Christiane Fuchs sich als Konterpart zu Paech versuchte, dabei aber diffus und unentschlossen wirkte, mühten sich sowohl Heckmann als Emde redlich – ohne nennenswerte Akzente zu setzen. Was sich übrigens auch daran zeigte, dass Paech selbst irgendwann darum bat, dass Fragen aus dem Publikum auch an seine Mitredner gestellt werden sollten.

Offen bleibt in Anbetracht einer mehr als komplexen weltpolitischen und -ökologischen Lage, ob und wie die von Paech postulierten Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle irgendwann auch greifen könnten und damit einen Ausweg bieten. Unzweifelhaft wichtig sind aber die mit der Podiumsdiskussion gesetzten Zeichen – wenngleich eine ausgewogenere Zusammenstellung des Podiums bei zukünftigen Veranstaltungen zu wünschen ist. Wo aber, wenn nicht in der Finanzmetropole Frankfurt, könnte besser auf jene Probleme aufmerksam gemacht werden, die man mit Geld nunmal nicht lösen kann? Einzig: Unter den Zuhörern befanden sich nur bedingt jene, die von den Banktürmen auf der anderen Mainseite die zukünftige Diskussion mitführen könnten und müssten. Vielleicht ja beim nächsten Mal.

Blickwechsel – Zukunft gestalten: »Der Geist der Verschwendung – was kommt danach?«
Podiumsdiskussion im Museum für Angewandte Kunst
Frankfurt am Main, 07. Mai 2015 (19:00 bis 21:00 Uhr)

 

Veranstaltungsübersicht und weitere Informationen unter: museumangewandtekunst.de

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