Was heißt hier Reste? #1

Dr. Hildebrandts Gedankenreste
Was heißt hier Reste? #1

Dr. Alexandra Hildebrandt ist Nachhaltigkeits- und Wirtschaftsexpertin. Für die Leser von Magazin für Restkultur wirft sie von Zeit zu Zeit einen Blick auf besondere Restvorkommen – und denkt dabei auch mal um die Ecke.

 

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  • Dr. Alexandra Hildebrandt (42)
  • Nachhaltigkeitsexpertin und Wirtschaftspsychologin
  • Dozentin an der Hochschule für angewandtes Management in Erding
  • Sachbuchautorin, Herausgeberin und Mitinitiatorin der Initiative gesichter-der-nachhaltigkeit.de
  • Bloggt regelmäßig für huffingtonpost.de 

Wie wir den Rest unserer
knappsten Ressource bewahren können

Hingabe, Gründlichkeit und Fokussierung, mit der sich Steve Jobs Details widmete, machten wichtige Aspekte seiner Meisterschaft und seines Erfolges aus. Dazu gehörte, alles andere auszublenden, weil sich ohne Filter das Relevante nicht herausschälen lässt, und „weil man im Leben nur eine begrenzte Anzahl von Dingen tun kann“. Tiefes Nachdenken ohne Unterbrechung bedeutete für ihn, sich innerlich abzuschließen. Die Fähigkeit, sich auf ein Ziel zu konzentrieren und gleichzeitig andere Reize zu ignorieren, bezeichnete William James, der Begründer der modernen Psychologie, als Aufmerksamkeit.

Gegen das Übermaß
Um sich gegen das Übermaß der äußeren Welt zu behaupten, braucht es das, was  Goethe das „selbstische Prinzip“ nannte: Dabei geht es um den inneren Zusammenhalt, der die eigene Person nach außen möglicherweise auch egoistisch und abweisend wirken lässt. Aber um sich nicht zu verlieren und gute Gedanken hervorbringen zu können, braucht es den Schutz der Zurückgezogenheit und Fokussierung auf das Wesentliche.

Konzentration heißt: „zusammen auf den Punkt“. Deshalb ist es wichtig, nur so viel Welt in sich aufzunehmen, wie man auch verarbeiten kann. Goethe beispielsweise konnte wie Steve Jobs wunderbar ignorieren: Was sich nicht produktiv verarbeiten ließ, ging ihn nichts an. Den Umfang seines Lebenskreises bestimmte er wie viele Eigenwillige, die nur Großes leisten konnten, weil sie einen eigenen Willen und ein tiefes Erkenntnisinteresse hatten, selbst.

Die Ablenkungsgesellschaft
Wer seine Aufmerksamkeit  nicht mehr fokussieren kann, kann den Augenblick nicht mehr genießen und die  Verarbeitungsgeschwindigkeit seines Gehirns steigern. Auch können die Synapsenverknüpfungen nicht mehr gestärkt und erweitert werden. Unternehmen mit einer nachhaltigen Geschäftsphilosophie berücksichtigen das. „Ein angenehmes Arbeitsumfeld trägt entscheidend zur Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bei. Deshalb sind Firmengebäude, Außenanlagen und Arbeitsplatzqualität für memo* entscheidende Aspekte einer nachhaltigen Wirtschaftsweise“, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht 2013 des Versandhandels mit über 10.000 Produkten für Büro, Schule, Haushalt und Freizeit, die gezielt nach ökologischen und sozialen Kriterien ausgewählt sind.


Beim Blick aus dem Fenster sehen die Mitarbeiter eine idyllische Landschaft. Angrenzend an das Firmengelände in Greußenheim bei Würzburg ist ein Biotop angelegt. Bei schönem Wetter können sie in den Pausen eine bestuhlte Terrasse zum Entspannen und eine große Rasenfläche für sportliche Aktivitäten nutzen. An kalten oder regnerischen Tagen werden die Pausen in den Wintergarten verlagert. Ein solcher äußerer Rahmen kann dabei helfen, dass der einzelne Mensch mit seiner Kreativität und seinem unverwechselbaren Eigensinn, einem wesentlichen „Rest“ der Persönlichkeit, im Ganzen nicht untergeht.

*Anmerk. d. Red: memo ist ein Versandhandel 

© Alexandra Hildebrandt für Magazin für Restkultur  2014

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»Aus Müll wie Trinkbechern wollen Austrian Airlines und eine österreichische Mineralölgesellschaft Rohöl gewinnen.«

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Über die japanische Initiave, aus Handys Edelmetalle für die Medaillen der Olympischen Spiele 2020 zu gewinen, spricht die »Kinderzeit«.

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