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Was bleibt von uns? »Es wird dieser Abfall sein.«

Gastbeitrag: Über Henning Mankells »Treibsand«

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MAGAZIN FÜR RESTKULTUR?

In einem Beitrag für die Huffington Post setzt sich Alexandra Hildebrandt unter anderem mit Henning Mankells letztem Werk »Treibsand« und dessen Blick auf zivilisatorische Hinterlassenschaften auseinander. Wir veröffentlichen hier Auszüge daraus.

©Foto: Photocapy

Gastbeiträge auf Magazin für Restkultur
Auf Magazin für Restkultur lassen wir gelegentlich Autoren, Experten und andere Akteure zu Wort kommen – und zwar immer dann, wenn uns interessante Ideen begegnen, Veranstaltungsreports erreichen oder wenn wir glauben, dass sich mit „fremden Federn“ ungewohnte Winkel ausleuchten und neue Perspektiven einnehmen lassen. Restvermeidungs- oder -verwertungsideen können darin ebenso eine Rolle spielen wie vielversprechende Alternativen oder aber auch Ideen und Konzepte, die im weiteren oder engeren Sinne »Reste« in den Mittelpunkt stellen. Die von den Autoren geäußerten Ansichten müssen dabei weder im Ganzen noch in Teilen mit der Meinung der Betreiber von Magazin für Restkultur übereinstimmen. Alle Rechte der Gastbeiträge liegen bei den Autoren. Weitere Informationen unter Mitmachen und Copyright/Irrtuemer.

 Alexandra Hildebrandt: Auszug aus »Was es heißt, ein Mensch zu sein« 
Schreiben war die Basis von allem, was der schwedische Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell in seinem Leben tat. Zum Jahreswechsel 2013/2014 hatte er plötzlich einen steifen Nacken. Anfang Januar teilte ihm sein Arzt mit, dass bei ihm ein Muttertumor in der Lunge gefunden wurde und eine Metastase im Nackenwirbel. Es war für ihn der Höllenschlund, vor dem er sich nur für kurze Zeit retten konnte. Mankell starb am 15. Oktober 2015. In einem Beitrag für die Huffington Post setzt sich Alexandra Hildebrandt unter anderem mit Mankells letztem Werk »Treibsand« und dessen Blick auf zivilisatorische Hinterlassenschaften auseinander. Wir veröffentlichen hier Auszüge daraus. 

 

Leben ist nichts anderes als Überlebenskunst
Das Gefühl der Orientierungslosigkeit, das ihn nach der Krebsdiagnose überkam, war wie die Angst vor dem Treibsand, der plötzlich lebendig wurde: »Die Sandkörner verwandelten sich in grässliche Tentakel, die einen Menschen verschlangen. Ein menschenfressendes Sandloch.« Es war für ihn der Höllenschlund, vor dem er sich nur für kurze Zeit retten konnte. Eines seiner wichtigsten Anliegen war die Formulierung der Frage von Mut und Angst, mit der er so viel mehr verbunden hat als die elementare Furcht zu sterben. Beide waren für ihn ständig ineinander verwoben: »Es bedarf des Muts zu leben und des Muts zu sterben.« In seinem Leben lernte er das Wesentliche, das auch eine Könnensgesellschaft ausmacht: sein Leben selbst in die Hand nehmen und zu seinen Entscheidungen zu stehen. Die Frage »Welche Art von Gesellschaft will man mitgestalten?« prägte sein gesamtes Leben. Von ihr handelt sein letztes Buch »Treibsand«: von dem, was war, dem, was ist und dem, was bleibt.


Im Abfall wird das Leben der Menschen sichtbar
Über Jahrhunderte haben Generationen dieser Erde etwas hinterlassen: ökonomische, politische und kulturelle Errungenschaften, Erfahrungen von Liebe, Hass und Gewalt. Doch was bleibt von uns? »Nicht die Beatles, kein Schriftsteller, es wird dieser Abfall sein«, schreibt Mankell und verweist auf neue und unerwartete Einsichten, die er während seiner Krebserkrankung darüber gewann, wie wir mit dem nuklearen Abfall in den unterirdischen Schächten umgehen. Die weltweit größte Müllhalde liege heute im Stillen Ozean: »Zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste schwimmen Millionen Tonnen Müll im Meer.« Es sei ein Irrtum davon auszugehen, dass das, was hier verschwände, uns nie mehr »behelligt«. Mankell ist ein Kind des »Kartonzeitalters«, in dem viele Verpackungen noch aus Materialien bestanden, die rasch abgebaut wurden. Dann kam das »Plastikzeitalter«, in dem wir heute noch leben. In seinem Buch »Treibsand« beschreibt er, was sich verändert habe: Zuerst seien die Korkschwimmer an Land getrieben worden – dann lagen immer öfter die Plastikschwimmer am Strand. »Danach kamen die Milchkartons und die Plastikflaschen. Aber die sammelte weder ich noch sonst jemand ein. Das Plastik fühlte sich tot an, wenn man es in die Hand nahm, während Kork sich immer lebendig anfühlte.«


Warum wir nicht vergessen dürfen
Natürlich hätten vergangene Zivilisationen immer auch Abfall erzeugt – doch »weder das Ägypten der Pharaonen noch das Römische Kaiserreich haben gefährlichen oder tödlichen Müll zurückgelassen«, der Tausende von Jahren seine Gefährlichkeit beibehalte. So, wie wir heute versuchten, den Atomabfall zu entsorgen, bauten wir einen »Palast für das Vergessen«. Es habe für ihn mit einer Art inneren Lichts zu tun, das auf verschiedenen Ebenen gelöscht werde. Vergessen sei Dunkelheit, leeres und kaltes Universum. Mankells letztes Buch ist der Versuch, Erinnerungen zu bewahren und damit auch Bilder und Erzählungen. Neben seiner Ehefrau ist es dem Bäcker Terentius Neo und seiner Frau gewidmet, die 79 nach Christus beim Vulkanausbruch von Pompeji ums Leben kamen. Er wählte sie aus, weil sie so jung waren, etwa 30 Jahre alt, und nicht die Chance auf ein volles Leben hatten. Die Wahrheit über unser Dasein ist nach Mankell immer provisorisch. Für die meisten Menschen sei Leben etwas Unvollendetes, das sich auch im Schreiben zeige.

Der Text »Was es heißt, ein Mensch zu sein« erschien im Januar 2016 im Blog der Huffington Post. Wir veröffentlich mit Erlaubnis der Nachhaltigkeitsexpertin und Dozentin Alexandra Hildebrandt Auszüge daraus. 

RSTKLTR-Treibsand-Photocapy_II

 

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