Die Schilderdinge des André Stache

©André Stache
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Schilderdinge. Aus Berlin

Reflektionszeit abgelaufen?

Schon mal einen Mann mit zehn Verkehrsschildern in Berlins S-Bahnen gesehen? Nein? Dann wohl nur deshalb, weil Du nicht richtig hingeschaut hast. Es gibt nämlich einen Künstler, der diese hin und wieder ganz legal von diversen Schrottplätzen mit besagten öffentlichen Verkehrsmitteln abtransportiert. Hat ein Stoppschild einmal seinen Dienst getan – jedes Verkehrsschild ist mit einem Ablaufdatum gekennzeichnet, das anzeigt, wann die Reflektionsleistung nicht mehr ausreicht – landet es auf dem Schrottplatz. Und von dort direkt in die Arme von André Stache.

Form follows Material
Die Sammlung alter Schilder ist jedoch nicht etwa nur ein spezielles Hobby des gelernten Metallgestalters und Produktdesigners. Die besondere Faszination für ausrangierte Straßenschilder liegt für den Künstler darin, „den Werkstoffzyklus von Materialien zu verlängern“ und Menschen dadurch für Ihre Umwelt zu sensibilisieren. Und so macht der gebürtige Nordhäuser aus ihnen Produkte und Kunstobjekte. Schneiden, biegen, bohren, nieten und schrauben muss Stache die Metallschilder, bis sie die Form erreichen, die er möchte – und die dem Betrachter hier und da ein Lächeln entlockt.

Schilderwald mit religiöser Bedeutung
So entstand auch durch das zufällige Übereinanderlegen zweier „Vorfahrt gewähren“-Schilder wie von selbst ein David-Stern. Kamera und Aufsteller im Gepäck hat Stache diesen auch gleich vor dem Jüdischen Museum in Berlin platziert – und der wissenschaftlichen Leitung der Stiftung Jüdisches Museum die Aufnahme zugeschickt. Das Bild habe sie „zum Schmunzeln“ gebracht, lies die Stiftungsleitung den Künstler wissen – ihn erfüllt diese Arbeit mit besonderem Stolz: „Ich mag den Davidstern sehr, da er so minimalistisch und einfach geformt ist und alle Menschen sofort zum Diskutieren anregt. Religion ist immer ein sehr provokantes Thema. Aber ich mag es im Kunstkontext sehr, da hier alles erlaubt ist“.

Ein Papierflieger aus Metall
Wie viele Sackgassen und Einbahnstraßen die Gedanken und kreativen Ideen des Kunstschmiedes überwinden können, zeigt ein ganz besonderer Traum des 33-jährigen: Ein überdimensionaler Papierflieger aus einem der zahlreichen blau-weißen Autobahnschilder. Wer weiß, vielleicht findet sich eine solche Skulptur in Kürze auf einem der deutschen Flughäfen und – nicht wahr, André? – auch auf magazin-restkultur.de wieder.

MS für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2014

© Fotos mit freundlicher Genehmigung André Stache 

Weblink: andrestache

Der Rest – in anderen Medien

18.06.18

SCHÜLERFIRMA „STREETCYCLED“

»Schüler des Max-Planck-Gymnasiums in Düsseldorf zweckentfremden ausrangierte Straßenschilder.«

07.04.18

»Weltraumschrott soll harpuniert werden«

Die FAZ über die von britischen Forschern entwickelten Harpunen, mit denen Weltraummüll aus der Atmosphäre gezogen und zerstört werden soll.

05.04.18

»Das letzte Geschäft«

»In Hessen soll sich ein Mann seit 2016 immer wieder auf Bürgersteigen erleichtert haben. Nun ist er aufgeflogen (…)« Der Spiegel zum »Kotspurleger

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