Den Rest überlassen wir diesmal … Restlos Glücklich

Wir geben elf Sätze vor und überlassen Anette Keuchel vom "Restlos Glücklich"-Team den Rest

Restlos glücklich: Das Restlos Glücklich-Team
Restlos glücklich: Das Restlos Glücklich-Team

»Aber auch von einem Tiramisu-Hersteller, der nur das Eigelb verwertet oder von Supermärkten, deren Produkte kurz vor dem Ablaufdatum stehen, erhalten wir Lebensmittel-Überschüsse.«

– Anette Keuchel, Restlos Glücklich –

[09|15] Noch fehlen bei Erscheinen dieses Artikels 22 Tage (und knapp 30.000 Euro), bis sich erweist, ob die Crowdfunding-Kampagne  für Restlos Glücklich – ein  Restaurant gegen Lebensmittelverschwendung – genügend Unterstützer gefunden haben wird. Gründe, um an den Erfolg zu zweifeln, gibt es allerdings nicht. Schließlich haben bereits in Dänemark  und in den Niederlanden  zwei ähnlich konzipierte Lokale erfolgreich gezeigt, dass vermeintliche »Reste« nicht nur wohlschmeckend sein können. Die Betreiber lenken ja darüber hinaus die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein gravierendes Problem unserer Zeit: Knapp ein Drittel der insbesondere in der nördlichen Hemisphäre angebauten und produzierten Lebensmittel landet auf den Müll.

Wir haben mit Anette Keuchel, der Ideengeberin von Restlos Glücklich gesprochen, ihr elf Sätze rund um das in Berlin geplante Rest-aurant vorgegeben – und ihr einfach den Rest überlassen …

1. Wir sind guter Dinge, dass die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich sein wird, denn …
… wir hatten einen fulminanten Start und Lebensmittelverschwendung ist ein Thema das viele Menschen bewegt.

2. Auf die Idee mit Restlos Glücklich bin ich/sind wir gekommen, als …   
… ich von Rub & Stub  – einem Projektrestaurant in Kopenhagen  – gelesen habe, in dem vorwiegend mit »geretteten Lebensmitteln« gekocht wird. Die Idee hat mich sofort begeistert und überzeugt.

3. Wenn irgendwann im Herbst irgendwo in Berlin die ersten Gäste durch die Tür kommen, dann …   
… sind wir restlos glücklich, weil dann die Arbeit und Energie, die das ganze Team in fast einem Jahr in das Projekt investiert hat, Früchte trägt und wir dann gemeinsam mit vielen anderen etwas gegen die sinnlose Verschwendung von wertvollen Ressourcen unternehmen.

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Eine Frage des kreativen Blickwinkels: Was ursprünglich in der Tonne gelandet wäre, liegt nun schmackhaft serviert auf dem Teller

4. Auf den Teller kommen dann »gerettete« Lebensmittel. Diese stammen zum Beispiel von … 
… Bauern aus der Umgebung, deren Zucchini zu groß oder zu klein sind oder einem Naturkosthandel, der im Lager Platz schaffen muss für neue Ware. Aber auch von einem Tiramisu-Hersteller, der nur das Eigelb verwertet oder von Supermärkten, deren Produkte kurz vor dem Ablaufdatum stehen, erhalten wir Lebensmittel-»Überschüsse«.

5. Unsere Gerichte werden besonders sein, weil … 
… sie jeden Tag neu kreiert werden. Wir wissen nie, welche Lebensmittel uns gespendet werden, weshalb sich unsere Köche so richtig kreativ austoben können.

6.  In zehn Jahren wird es unter Umständen in ganz Deutschland Restaurants wie Restlos Glücklich geben, weil … 
… es einfach eine tolle Idee ist, diese wertvollen und genießbaren Lebensmittel, die täglich in der Tonne landen würden, in einem Restaurant zu verwerten und daraus leckere Gerichte zu zaubern.

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Beste »Reste«: Einige der Speisen, die Restlos Glücklich bei einem Kochduell im Social Impact Lab Kreuzberg in der vergangenen Woche vorgestellt hat

7. Als erfolgreich wird sich unser Konzept erwiesen haben, wenn wir in fünf Jahren … 
… Betriebsausflüge zu Restlos Glücklich-Filialen in anderen Städten machen können! (lacht)

8. Lebensmittelverschwendung ist ein Problem, weil …
… es nicht nur schade um die weggeworfenen Lebensmittel an sich ist, sondern weil bei ihrem Anbau, der Produktion und dem Transport ganz viel Arbeit und Ressourcen in die Lebensmittel gesteckt wurden, die dann einfach verloren gehen.

9. Restlos Glücklich wird das Verhältnis der Gäste zur Wertschätzung von Lebensmitteln verändern, weil wir …
… das schwere Thema positiv angehen und wir unseren Gästen mit genussvollem Essen in gemütlichem Ambiente zeigen, was man aus vermeintlichen Resten alles zaubern kann.

10. Die Einnahmen, die wir erzielen, benutzen wir … 
… als nicht profitorientiertes Restaurant, um Bildungsmaßnahmen zum Thema Lebensmittel(verschwendung) zu veranstalten, damit wir so viele Menschen wie möglich erreichen.

11. Zum Schluss: Wir wollen nicht die Welt retten, aber … 
… mit Restlos Glücklich einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Lebensmittel wieder mehr Wertschätzung erfahren.

Wir danken Anette Keuchel vom Restlos Glücklich-Team für die Antworten.

Zur Person

©Fotos: Mit freundlicher Genehmigung Restlos Glücklich

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

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1 Kommentar

  1. Liebe Anette, ich danke Dir für Deine Weise zu denken und dementsprechend auch zu handeln. Deine Ergänzung des o.g. Satzanfangs „Wir wollen nicht die Welt retten, ABER…“ ist wegweisend für alle um uns herum. Ich nehme es mir zu Herzen und hoffe, auch einen kleinen Teil dazu beitragen zu können. Liebste Grüße, Mel von http://www.droods.de

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