Minimalisten-Treffen in Frankfurt: »Ein bisschen mehr Weniger«

Zu Besuch beim 4. Minimalisten-Treffen

Gruppenfoto mit Minimalisten beim Minimalistentreff in Frankfurt
Den Minimalisten gibt es nicht – die Geschichten und Bewegründe sind so unterschiedlich, wie es die Menschen dahinter sind. Auf dieses Bild wollten bloggende (und nicht-bloggende) Teilnehmer des Frankfurter Minimalisten-Treffs ©Foto: mgzn-rstkltr
Minismalisten-Treffen in Frankfurt am Main, 23. August 2015
Zu einem informellen Austausch in der ehemaligen Schuhmaschinenfabrik im Frankfurter Stadtteil Rödelheim kamen um die 50 Minimalisten aus nah und fern zusammen. Wir haben uns unter die Besucher gemischt, Eindrücke gesammelt und kommen zu dem Schluss: Den Minimalisten gibt es schlichtweg nicht, sondern vielmehr eine lose und sehr heterogene Gruppe von Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen einem Mehr an Weniger verschrieben hat.

Unterschiedliche Beweggründe
Da ist zum Beispiel Anja aus Berlin, die sich anfänglich aus gesundheitlichen Gründen vorgenommen hat, gründlich in ihrem Leben und später auch in ihrer Wohnung auszumisten. Christian aus Düsseldorf wiederum geht sogar soweit, dass er mittlerweile auf einen Kühlschrank verzichtet. Über seine Beweggründe wird er heute etwas später auch in einem Vortrag reden. Michael Klumb aus Bergisch Gladbach hingegen hat irgendwann festgestellt, dass er zuviel besitzt und sich nach und nach von vielem getrennt. Klumb ist außerdem nicht nur Organisator der Veranstaltung, sondern mittlerweile und wider Willen auch so etwas wie das offizielle Gesicht der Minimalisten-Bewegung in Deutschland. Doch wie genau lässt sich Minimalismus definieren? Er drückt es so aus: »Minimalismus ist die von vielen Menschen gemachte praktische Erfahrung, dass weniger mehr sein kann und dass man viel weniger braucht, als man aktuell besitzt – und damit auch gut auskommt!« Eine gewisse Nähe zu den konsumkritischen Gedanken Niko Paechs  sieht Klumb ebenfalls. Wieviel weniger aber mehr sei, das entscheide jeder Einzelne selbst – ein festes Regelwerk sei dafür weder nötig noch vorhanden. So unterschiedlich die Beweggründe und Biografien also sind: Minimalisten scheinen sich darin einig, dass es sich so irgendwie einfacher und besser leben lässt.

 

Circa 80 Blogs – Tendenz steigend
Vielerorts treffen sich Minimalisten zu lokal organisierten Minimalismus-Stammtischen. Zum bereits vierten Mal kommen sie zu einem solchen überregionalen Treff wie dem in Frankfurt zusammen. Im Vordergrund steht der informelle Erfahrungsaustausch und das persönliche Gespräch. Unter den knapp 50 Teilnehmern heute sind wohl um die 30 Blogger dabei – knapp hundert Blogs seien ihm bekannt, sagt uns Michael Klumb. Mit dabei sind heute auch »Urgesteine« der Bewegung wie Frau Ding Dong. Doch auch Neulinge, die erst seit Kurzem über ihre Minimalismus-Erfahrungen online berichten, sind nach Frankfurt gereist. Minimalisten, die sich nicht in Blogs austauschen, sondern diese höchstenfalls als Informations- und Inspirationsquelle nutzen, treffen wir auch an. Maria zum Beispiel gehört zu ihnen. Sie ist heute hauptsächlich hier, um die Gesichter hinter den Blogs kennenzulernen und um sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen. »Im Grunde genommen«, sagt sie uns, »bin ich wohl schon immer Minimalistin gewesen, ohne dass mir überhaupt klar war, dass man sich so nennt!« Die Zahl derer, die sich von der Minimalismus-Bewegung angesprochen fühlen, schätzt Klumb auf um die 100.000 Menschen bundesweit. Die Tendenz jedenfalls sei steigend, dass sich Menschen, die mehr zu haben scheinen, als sie wirklich benötigen, von ihrem materiellen und damit auch von emotionalem und zeitbindendem Ballast lösen. Dann stellten viele fest, sagt uns Klumb zum Schluss, dass weniger von allem eben zu mehr Zeit, mehr Unabhängigkeit und schließlich auch zu mehr Zufriedenheit führen könnte.

RSTKLTR_MinimalismusFrankfurt#1Wir sind im Zuge der Veranstaltung ausführlicher mit Michael Klumb zu Fragen des Minimalismus ins Gespräch gekommen. Das Gespräch ist hier  zu finden.

 

Reste sind für mich … aus der Sicht von Minimalisten

Für unsere Rubrik »Reste sind für mich« haben wir bei dem Minimalisten-Treffen in Frankfurt einige Stimmen eingefangen. Was auf den ersten Blick als keine besonders gute Idee anmutet (Minimalisten hinterlassen doch gar keine Reste, oder?), erweist sich nicht nur als hervorragende Möglichkeit, mit vielen einzelnen Protagonisten ins Gespräch zu kommen. Der Rest ist – wie so oft – für eine Überraschung gut. Wir danken den Teilnehmern, die sich geduldig zu einem Statement bereit erklärt haben. [In eckigen Klammern finden sich, falls vorhanden, die entsprechenden Blogs]

Andrea [weggedacht.de]:

 Reste sind für mich das, was früher vom Essen bei uns übrig blieb, abends wieder aufgetischt wurde und heiß umkämpft war – das war das leckerste!

Erich:

Reste? Gibt es nicht!

Gabi [achtsame-lebenskunst.de]:

 Reste sind für mich »Hasenbrote«. Als ich Kind war und die Erwachsenen von irgendwelchen Tagesausflügen zurückkamen, haben wir uns auf die Reste ihrer Klappstullen, die wir »Hasenbrote« genannt haben, gestürzt!

Anja [einfacheinfachleben.blogspot.de]:

Ich finde es am besten, wenn Reste erst gar nicht entstehen!

Christian:

Reste sind bei mir eher negativ belegt, obwohl Reste auch was gutes sein können.

Pia [MalMini.de]:

Reste sind mir unangenehm! Wenn man Reste hat, hat man vorher etwas falsch gemacht.

Svenja [apfelmaedchen.de]: 

Reste haben kreatives Potential! Das Grün von Gemüse muss man ja in vielen Fällen zum Beispiel überhaupt nicht wegschneiden.

Michael [minimalismus-leben.de]:

Reste sind für mich die Sachen, die ich aussortiert habe und die ich gerne loswerden möchte – die ich aber nicht los werde.

Isabel [minimalismusblog.tumblr.com]:

Reste sind eine superinteressante Sache und die nächste Aufgabe!

Daniela: 

Reste sind für mich das, was Dinge vervollständigt – erst dadurch entsteht ein Ganzes!

Sascha [minimalisten.org]:

Reste sollten generell vermieden – oder eben verwendet werden.

 

Minimalismus-Blogs

Die Zahl der Minimalismus-Blogs oder Schwerpunktseiten lässt sich nur bedingt vollzählig erfassen. Vielfach überschneiden sich außerdem Minimalismus- und DIY-Blogs oder andere Interessengruppen. Viele der nachfolgend aufgeführten Blogs führen Linklisten zu speziellen Schwerpunktseiten, in die es sich zu klicken lohnt. Die folgende Zusammenstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit noch trifft sie eine in welcher Weise auch immer bevorzugende Aussage. Gerne nehmen wir Hinweise unter info(at)magazin-restkultur.de auf, um die Liste zu vervollständigen.

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2015

Der Rest – in anderen Medien

27.07.17

»Brotzeitreste aus der Bronzezeit«

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Fund eines Holzgefäßes aus der Bronzezeit, der aufgrund zurückgehender Gletscher zu Tage befördert wurde.

27.07.17

»Brotzeitreste aus Bronzezeit«

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Fund eines Holzgefäßes aus der Bronzezeit, der aufgrund zurückgehender Gletscher zu Tage befördert wurde.

11.08.17

»Müllwagen kippt auf Auto - fünf Tote«

Möglicherweise aufgrund eines technischen Defekts ist ein Müllwagen umgekippt und hat ein Auto mit fünf Insassen unter sich begraben.

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