Kommunalwahl-Stimmen für die Tonne?

»Großmülltonnen« (so die Herstellerbezeichnung) bieten nicht nur viel Raum für Wahlzettel, sondern auch für missverständliche Analogien ©Fotos: mgzn rstkltr
»Großmülltonnen« (so die Herstellerbezeichnung) bieten nicht nur viel Raum für Wahlzettel, sondern auch für missverständliche Analogien ©Fotos: mgzn rstkltr
 Kommentar 
Mitnichten soll die obige Überschrift die vermeintlich weit verbreitete Politikverdrossenheit schüren – im Gegenteil. Ausdrücklich betont dieser Beitrag daher die Notwendigkeit und Wichtigkeit demokratischer Teilhabe. Und um Missverständnisse vorzubeugen: Nein, in Hessen, wo heute Kommunalwahlen stattfinden, werden die Stimmen der Frankfurter Bürger nicht unbesehen in die nächste Altpapiersortieranlage befördert.

Lediglich, und darum soll es hier gehen, ist dem wachsamen Verfasser dieser Zeilen (der seine Stimme im Frankfurter Wahlbezirk 551-01 abgegeben hat) nicht entgangen, dass sich die Verantwortlichen einer durchaus doppeldeutig-missverständlichen Wahlurnen-Idee bedienen. Und eben diese verlangt förmlich nach der für diesen Beitrag gewählten Überschrift. Denn: in zumindest diesem Wahlbezirk werfen die Griesheimer Wähler ihren Wahlzettel in eine, ja, Mülltonne ein. Zwar ist diese nur ihrer Form nach eine solche und wird nur zu eben diesem Zwecke verwendet – eine gewisse Analogie entsteht gewollt oder ungewollt jedoch trotzdem.

Einerseits ließen sich mit Sicherheit die rein praktischen Vorzüge dieser Behältnisse hervorheben und die Umnutzung als kommunalpolitisches »Upcycling« loben. Andererseits: Es wünscht sich der spitzfindige Texter, dass sich eine negativ besetzte Herleitung durch die Wahl symbolisch so aufgeladener »Entsorgungs«-Behältnisse vermeiden ließe. Und sei es nur um auszuschließen, dass ein Magazin wie das unsere auf die vielleicht nicht nur uns abwegig scheinende Idee kommen wollte, einen Beitrag wie diesen dazu zu verfassen.

Apropos entsorgen: Nicht überliefert ist zwar, ob die »Großmülltonnen« (so die Herstellerbezeichnung) auch nach den entsprechenden Aufbewahrungsfristen der Wahlzettel diesem Zwecke dienen werden. Doch zu recyclen wird es dann einiges geben. Schließlich sind in ganz Frankfurt nicht nur knapp 1,50 x 0,60 m (!) große Musterwahlbögen an nahezu 500.000 Haushalte im Vorfeld versandt worden. Mindestens ebenso viele werden im Laufe des heutigen Tages auch an den entsprechenden Wahlorten zu finden sein.

ME für magazin-restkultur.de | © Magazin für Restkultur 2016

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