Interview zur Ausstellung »Pure Gold. Upcycled! Upgraded!«im MKG Hamburg

Fünf Fragen an Prof. Volker Albus

Nicht nur die »Dogon stools« (Recycelte Schmiermittelfässer) von Hamed Ouattara sind vom 15. September 2017 bis 21. Januar 2018 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. 52 weitere Designer stellen die Wiederverwertung von Materialien in den Mittelpunkt ihres Schaffens und der Ausstellung. Foto: Frank Kleinbach,© ifa

»Es ist ja weiß Gott nichts Neues, dass sich der improvisierende, der kreative Geist schlechthin, gerne dessen bedient, was er unmittelbar vor der Haustür findet. Heute sind es eben leere Plastikflaschen.«

– Prof. Albus im Gespräch mit Magazin für Restkultur –

 

Sperrmüll, Abfall und Billigmaterialien sind pures Gold – so zumindest sehen es die Ausrichter der Ausstellung, die von Mitte September 2017 an im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) gastiert. Schwerpunktmäßig werden darin unterschiedlichste Gebrauchsobjekte zu sehen sein, zu deren Erstellung überwiegend vermeintliche Reststoffe zum Einsatz kamen. Kuratiert wird  die Ausstellung unter anderem vom Designer und Architekten Volker Albus. Ihm konnten wir fünf Fragen rund um die Exponate, aber auch um Herausforderungen der Zukunft, stellen.

1. Herr Professor Albus, was erwartet den Besucher bei »Pure Gold – Upcycled! Upgraded!«?

Den Besucher erwartet ein Panorama von insgesamt 78 Beispielen von 53 Designern, die belegen, welche „Werte“ in unseren Abfällen verborgen sind. Die Beispiele zeigen, dass es mittels kreativer Eingebung und handwerklicher Fähigkeiten möglich ist, hochkomplexe Recyclingprozesse zu umgehen, und dass dieses Sich-Einlassen auf vermeintlichen Abfall zu außergewöhnlichen Produkten führen kann.

Diederik Schneemann: Flip Flop, Tischaufsteller (Recycelte Flip-Flops) © Diederik Schneemann, Foto: Martin Minkenberg

2. Reste und Resteverwertung – das beweist nicht zuletzt unser Magazin – sind in aller Munde. Wie erklären Sie sich das?

Ich glaube, dass sich dieser „Trend“ in Zukunft noch verstärken wird, und ich denke, dass er sich aus verschiedenen Aspekten begründet. Natürlich zum einen aus dem sich permanent weiter entwickelnden Umweltbewusstsein; in einem gewissen Maß aber auch aus „folkloristischen“ Aspekten: Es ist ja weiß Gott nichts Neues, dass sich der improvisierende, der kreative  Geist schlechthin, gerne dessen bedient, was er unmittelbar vor der Haustür findet. Und während es sich dabei in früheren Zeiten primär um Naturalien wie Holz, Stein, Lehm oder Binsen handelte, findet er heute vor der Haustür eben leere Plastikflachen.

Ramón Llonch: Palmarin armchair (Wiederverwertete Planken von Pirogen) ©Ramón Llonch, Foto: Joël Ventura García

3. Der kreative Umgang mit der Ressource Müll ist ja mitnichten eine Erfindung der Neuzeit. Es fällt allerdings auf, dass mitunter eine gewisse Verklärung des eigentlichen Müll-Ausstoßes (und des dahinter stehenden Überflusses) stattfindet. Wie sehen Sie das?

Man sollte nicht übersehen, dass das Müll-Problem  eine Folge des Wohlstands ist – und dieser Wohlstand ist per se ja zunächst einmal nicht negativ. Zumal wenn man ihn als Teil der Historie der BRD betrachtet. Dass dieser Wohlstand sich jedoch auch höchst nachteilig auf unsere Zivilisation auswirkt, wird vielen allerdings erst allmählich bewußt – und manchen überhaupt nicht.  

Khmissa: Rubber Stool R1 (Gummi aus recycelten Reifen) ©Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Foto: Frank Kleinbach

4. Was sind die wesentlichsten Herausforderungen, denen wir uns in nächster Zeit mit Blick auf Reste und Müll ausgesetzt sehen werden?

Ich denke, dass es, unabhängig von der Qualität der vorgestellten Arbeiten – und der partiell damit verbundenen Faszination – vor allem auf die Müllvermeidung ankommen wird.

David Amar: Raymond table (Aluminiumguss, Eschenholz) ©Foto: David Amar Studio

5. Die Hamburger Ausstellung ist der Auftakt zu einer international ausgerichteten zehnjährigen Tournee. Ist die Ausstellung denn selbst so ausgelegt, dass sie dann anschließend »restlos entsorgt« werden kann?

Abgesehen davon, dass ich nicht über prophetische Gaben verfüge, glaube ich nicht, dass sich dieses Problem tatsächlich stellen wird: Die Exponate werden wohl im Museum landen und die Kisten könnten – alle aus Holz gefertigt – ohne Probleme wieder verarbeitet werden.

Junk Munkez: Knit-Knacks (ausrangierte Waschmaschinentrommeln) ©Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Foto: Frank Kleinbach

Herr Professor Albus, vielen Dank!

Zur Person

 

Pure Gold. Upcycled – Upgraded
Dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg geht es bei der Ausstellung Pure Gold. Upcycled – Upgraded »um die Etablierung eines alternativen ästhetischen Wertekanons, der integrierend und nicht distanzierend sein und der überall und faktisch gelten soll.« Die international angelegte Ausstellungstour, die im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) im September 2017 beginnt, widmet sich schwerpunktmäßig dem Thema »Upcycling«. Hierbei steht die Wiederverwendung von bereits verarbeitetem Material zur Erschaffung neuer Objekte im Mittelpunkt. Unter den knapp 75 Exponaten sind um die 35 außereuropäische Arbeiten zu sehen. 

Konzipiert und organisiert wird die Ausstellung vom ifa (Institut für Auslandsbeziehungen). Das 1917 gegründete und in Stuttgart ansässige Institut »fördert den Kunst- und Kulturaustausch in diversen Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen« und feiert in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen.

 

Pure Gold. Upcycled – Upgraded
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
15. September 2017 bis 21. Januar 2018
Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr
Eintritt: 12 € / 8 €, Do ab 17 Uhr 8 €, bis 17 J. frei
Weitere Informationen: mkg-hamburg.de

 

©Fotos dieses Beitrags: mit freundlicher Genehmigung MKG Hamburg/ifa

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